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Mecklenburg-Vorpommern

22. November 2017 | 04:59 Uhr

Rostock : "Katharina die Große" rollt heran

vom

Unauffällig sieht anders aus. Am größten Motorrad

der Welt ist nichts normal. Das Panzerbike aus der Harzer Bike Schmiede wird bei der Oldtimermesse am 14. und 15. April über das Veranstaltungsgelände rollen.

svz.de von
erstellt am 28.Mär.2012 | 09:53 Uhr

Rostock | Unauffällig sieht anders aus. Sechs Meter lang, fast fünf Tonnen schwer, 38 000 Kubikzentimeter Hubraum und gut 1000 Pferdestärken schnell. Ein sagenhafter Spritverbrauch von 400 Litern auf 100 Kilometern, der Motor stammt aus dem russischen Kampfpanzer T34 und die Blinker sind ausrangierte Marschflugkörper der Bundeswehr. An "Katharina der Großen" ist nichts normal. Das Panzerbike aus der Harzer Bike Schmiede wird bei der Rostocker Oldtimermesse am 14. und 15. April über das Veranstaltungsgelände rollen.

"Ein wunderschöner Königswellenmotor". Damit begann 2003 alles. Per Zufall fanden Tilo Niebel und seine Kumpel in einer alten russischen Kaserne in Halberstadt so einen Motor. Der war für Lehrvorführungen aufgeschnitten worden und nicht mehr zu benutzen. Trotzdem bekam er in der Schmieder der Familie einen Ehrenplatz gleich vorne am Eingang. Da stand er nur der V12, Baujahr 1986. "Für Liebhaber ist das eine schöne Spielerei", schwärmt Tilo Niebel. Doch was damit machen? Nach einem Probesitzen auf dem Kupplungsblock kam die Idee: Ein Motorrad mit so einem Motor bauen! Drei Jahre suchten sie nach einem funktionsfähigen Motor. Sie fanden schließlich einen, der noch nie gefahren und damit quasi werksneu war. Nach einem Jahr schweißen, schrauben und tüfteln war "Katharina die Große" fertig.

Das Motorrad ist ein Sammelsurium der Militärgeschichte. Die Lehne des Sitzes stammt von einem Pferdesattel aus dem Ersten Weltkrieg. "Da sitzt man drin wie im Wohnzimmersessel", schwärmt Niebel. Der Seitenwagen wurde aus der Transporthülle einer russischen Mittelstreckenrakete gebaut. Zweiter Weltkrieg, NVA, Rote Armee, Bundeswehr - alles findet sich in dem Gefährt wieder. "Die Idee war, ein militärisches Gefährt zu bauen", sagt Tilo Niebel. "Wir wollten zeigen, dass man auch etwas Vernünftiges aus solchen Sachen bauen kann", sagt er und lacht. Mit Katharina haben die Harzer es 2007 in das Guinnessbuch der Rekorde geschafft.

Wie schnell das Motorrad wirklich fährt, weiß Niebel nicht. "Wenn man drauf sitzt, hat man das Gefühl von unendlicher Macht und riesigen Respekt", sagt Niebel. "Man traut sich gar nicht richtig Gas zu geben." Fünf bis sieben Termine pro Jahr nehmen die Harzer an. Dazu kommt ein eigenes Technikfestival nach Pfingsten. Weil Katharina die Große auch eine extra große Garage braucht, wurde in Zilly eine Scheune für sie restauriert.

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