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Mecklenburg-Vorpommern

24. September 2017 | 01:41 Uhr

Katastrophenalarm bleibt

vom

Der Katastrophenalarm in den Hochwasserregionen Mecklenburg-Vorpommerns soll trotz sinkender Pegelstände in Dömitz und Boizenburg erst in der nächsten Woche aufgehoben werden.

svz.de von
erstellt am 14.Jun.2013 | 09:29 Uhr

Dömitz/Boizenburg | Der Katastrophenalarm in der Hochwasserregion Mecklenburg-Vorpommerns soll trotz sinkender Pegelstände in Dömitz und Boizenburg erst nächste Woche aufgehoben werden. Möglicherweise werde der Katastrophenabwehrstab am Montagnachmittag eine Entscheidung treffen, sagte der Sprecher des Landkreises Ludwigslust-Parchim, Andreas Bonin, gestern in Ludwigslust.

Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) sagte nach einem Besuch in der Region, die nächsten Tage würden noch schwierig. Den Helfern sei anzumerken, dass die letzte Zeit für alle mit großen Anstrengungen verbunden war. Es werde aber weiterhin sehr engagierte Arbeit geleistet. "Dafür bin ich sehr dankbar", erklärte der Regierungschef.

Bonin zufolge können voraussichtlich am Dienstag die Schulen wieder öffnen und die Schulbusse wieder normal verkehren. Viele Einrichtungen in der Region sind geschlossen, weil sie hochwassergefährdet sind oder weil dort Notunterkünfte eingerichtet wurden. Die Busse werden für den Transport von Einsatzkräften benötigt oder stehen für den Evakuierungsfall bereit.

Der Wasserstand der Elbe ist trotz teils ergiebiger Regenfälle in der Nacht zum Freitag weiter gesunken. Die Pegelstände unterschritten in den frühen Morgenstunden in Dömitz das sogenannte Bemessungshochwasser von 6,80 Meter, für das die Dämme ausgelegt sind. Um 15.00 Uhr wurden in Dömitz 6,68 Meter und in Boizenburg 6,93 Meter gemessen. Normal sind in beiden Städten um die zwei Meter. Die Deiche halten den Wassermassen bisher stand. Häufig seien aber Sickerstellen, wo Wasser durch den Deich drückt, sagte Bonin. Diese würden mit Folie und Sandsäcken abgedichtet.

Die Menschen in der Hochwasserregion müssen sich bislang keine Sorgen um eine mögliche Verschmutzung ihres Grund- und Trinkwassers zu machen. "Die Brunnen arbeiten ohne Probleme, bisher ist kein einziger überflutet worden", sagte Bonin. Niemand müsse sein Trinkwasser abkochen. Die Wasserwerke führten regelmäßig Qualitätskontrollen durch. Nach Angaben des Agrarministeriums in Schwerin wird auch das Wasser der Elbe laufend vom Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (Lung) Güstrow kontrolliert. Derzeit lägen die Schadstoffwerte, etwa durch den Eintrag von Pflanzenschutzmitteln, unter den zulässigen Höchstkonzentrationen.

Auch die Schwermetallkonzentrationen seien bislang "überwiegend unauffällig" und erreichten noch nicht jene Werte wie beim Hochwasser im August 2002.

Die Schäden der Flut werden nach Einschätzung von Umweltminister Till Backhaus (SPD) im Nordosten höher ausfallen als 2002. Damals mussten die Deiche und andere Hochwasserschutzanlagen für 1,6 Millionen Euro repariert werden. Bei den Landwirten hätten die Behörden seinerzeit Schäden in Höhe von neun Millionen Euro festgestellt, teilte das Agrarministerium in Schwerin mit. Beim aktuellen Hochwasser wurden die Pegelstände von 2002 um 60 bis 90 Zentimeter überschritten.

Backhaus schloss nicht aus, dass die Deiche weiter erhöht werden müssen. Eine Überprüfung des Bemessungshochwassers stehe an, sagte der Minister. Bisher sind die Deiche für Fluthöhen von 6,80 Meter gebaut. Darüber ist noch ein Meter Platz für Wellenschlag, das sogenannte Freibord. Beim jetzigen Hochwasser wurden Rekordhöhen von 7,20 Meter in Dömitz und 7,32 Meter in Boizenburg gemessen.

Mit solchen Investitionen seien die Länder aber überfordert, erklärte Backhaus. Er forderte eine neue Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern zur Klimafolgenbewältigung.

Unterdessen durften in Niedersachsen die Bewohner der Altstadt-Insel von Hitzacker gestern in ihre Häuser zurück, auch die Evakuierung des brandenburgischen Wittenberge wurde aufgehoben. Die rund 300 Bewohner der betroffenen Stadt Lauenburg in Schleswig-Holstein können wohl heute zurück in ihre Häuser. In Sachsen-Anhalt standen auch gestern nach wie vor mehr als 200 Quadratkilometer unter Wasser - eine Fläche mehr als doppelt so groß wie der Chiemsee in Bayern oder etwa so groß wie Düsseldorf. Tausende Menschen mussten aus mehr als 20 Ortschaften ihre Wohnungen verlassen und in Sicherheit gebracht werden. Weitere müssten sich auf Evakuierungen vorbereiten, hieß es. Probleme bereitete ein Umspannwerk in Sandau, Sorge bereitete auch eine Schweinemastanlage in Scharlibbe mit 8000 Tieren. Für einen schnelleren Abfluss aus dem Hochwassergebiet im Elbe-Saale-Winkel soll voraussichtlich ein Teil des Saale deichs bei Barby gesprengt werden.

Die wegen des Elbehochwassers seit Montag gesperrte Bahnbrücke bei Schönhausen (Sachsen-Anhalt) wird den Zugverkehr voraussichtlich noch bis Sonntagabend behindern.

Nach wie vor gibt es Verzögerungen auf zentralen ICE-Strecken. Züge zwischen Berlin und Hannover und weiter ins Ruhrgebiet fahren über Magdeburg und Braunschweig. Zu Umleitungen kommt es auch auf der ICE-Verbindung Berlin-Frankfurt.

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