zur Navigation springen

Schlager bis Hardrock : Kampf um Radio-Frequenzen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Acht Bewerber ringen um vier Sendeinseln im Nordosten. Spektrum der Bewerber reicht von Schlager bis Hardrock

svz.de von
erstellt am 27.Apr.2016 | 06:30 Uhr

Polarisierungsgefahr auf dem Radiomarkt: In banger Erwartung blicken heute Sender-Verantwortliche auf die Landesmedienanstalt Mecklenburg-Vorpommern (MMV). Was deren Aufsichts-Gremium, der Landesmedienausschuss, zu beschließen hat, könnte die Radiolandschaft im Nordosten aufmischen.

Acht Radioveranstalter bewarben sich auf fünf UKW-Frequenz-Blöcke, die in den Stadtgebieten von Schwerin, Rostock, Wismar, Stralsund und Greifswald ausgeschrieben wurden. Vier dieser Frequenzen waren bis August vorigen Jahres durch „Klassik-Radio“ genutzt, dann aber zurückgegeben worden – nach Angaben des Medienausschusses, weil sich der Veranstalter auf die digitale Verbreitung per DAB+ konzentrieren wolle. DAB+ ist indes ebenfalls bisher nur in wenigen Gebieten des Nordostens empfangbar.

Im Januar hatte die MMV die UKW-Frequenzen neu ausgeschrieben. Acht Bewerber rangeln um die Sende-Inseln. Das Spektrum der „Musikfarben“ reicht von Schlager bis Hardrock. Schon das polarisiert. Noch mehr aber, was dahinter steht: Es gibt Bewerber, die nur einzelne Frequenz-„Rosinen“ picken wollen, es gibt Spartensender, die solitär ein Stil-Segment landesweit bedienen wollen und es gibt Kooperationsmodelle.

Einer der Bewerber ist der Schlager-Sender „Radio B2“, der bisher ein Programm für Berlin und Brandenburg anbietet (wir berichteten). Dessen Geschäftsführer Oliver Dunk begründet sein Interesse mit einer Marktanalyse, wonach sich ein Viertel der Hörer im Land bei den großen Sendern NDR1 Radio MV, Ostseewelle und Antenne MV nicht zuhause fühlten. Schlager würde eine Marktlücke füllen. 55 Prozent der Deutschen mögen Schlager, so Dunk. Die 14- bis 19-Jährigen fänden immer häufiger Gefallen daran. Ihr Anteil stieg von 2004 bis 2014 fast kontinuierlich von 14 auf 19 Prozent.

Das Gegenstück ist der in Hessen ansässige Rock-Sender „Radio Bob“ aus der Regiocast-Gruppe, an der die Mediengruppe, zu der auch unsere Zeitung gehört, Anteile hält. Bob-Geschäftsführer Jan-Henrik Schmelter sieht auch in einem Flächenland wie MV eine Nische für AC&DC und Alice Cooper. In der Vorwoche erst habe die schleswig-holsteinische Landesmedienanstalt einer Kooperation mit dem dort etablierten Oldie-Sender „Nora“ zugestimmt. „Was im Land von Wacken & Co funktioniert, sollte doch auch in MV klappen“, hofft Schmelter. „Sparte muss ja nicht Einschränkung heißen, sondern kann eine gute Ergänzung und Alternative sein. Eine fokussierte Zielgruppe ist für die Werbewirtschaft attraktiver als Massenprogramme.“ In MV verfolgt er ein weitgehendes Kooperationsmodell: Schmelter will mit Antenne MV, das ebenfalls zur Regiocast-Gruppe gehört, eng redaktionell kooperieren. „Die Kollegen sind etabliert, kennen das Land.“ Antenne MV-Chef Robert Weber bestätigt den Kooperationsgedanken.

Den Zuschlag erteilt der Medienausschuss formal an den Bewerber, „der den größten Vielfaltsbeitrag für die Rundfunklandschaft und damit die Hörer oder Zuschauer erwarten lässt“. Vorsitzende Marleen Janew, die in dem Gremium den Deutschen Journalistenverband repräsentiert, macht sich keine Illusionen: „Das journalistische Angebot beruht auf Annahmen, die wir zwar kritisch hinterfragen, denen wir aber zunächst glauben müssen.“ Zudem habe der Ausschuss „selbstverständlich Vergleiche angestellt“ zu Programmen, die Bewerber andernorts ausstrahlen. Daraus ziehe er zudem Rückschlüsse, wie plausibel die Wirtschaftlichkeitsprognosen der Bewerber sind, die sie auf vier Jahre im Voraus abgeben müssen. Schließlich gerieten auch die beiden etablierten Privatsender in der Vergangenheit schon in wirtschaftliche Schwierigkeiten.

Die großen Bewerber befürchten, dass nicht das komplette Frequenzpaket an einen Bewerber geht, sondern einzelne Frequenzen einzelnen Bewerbern zugestanden werden – was jedem der Großen in den jeweiligen Sende-Inseln das Leben schwer mache. Unter den acht Aspiranten sind etwa ein Stralsunder Internet-Lokalsender namens 180Grad FM, ein bundesweites Internet-Radio für Electronic Music (Sunshine Live“), aber auch die „Ostseewelle“ bewarb sich mit einem Rock-Programm und Antenne MV mit einem Oldie-Programm. Am Ende wird es sich heute im Medienausschuss „irgendwo zwischen Sachkunde, persönlichem Musikgeschmack und Politik entscheiden“, räumen Beteiligte ein.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen