Reform Pflegeausbildung MV : Kampf um Generalisten

Die Politik will die Spezialisierung von Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflegern aufheben.
Die Politik will die Spezialisierung von Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflegern aufheben.

Die Reform der Pflegeausbildung hat im Land nicht nur Freunde: Altenpflege-Einrichtungen fürchten um ihren Berufsnachwuchs

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23. Januar 2016, 16:00 Uhr

Die Pläne von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) und Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) zur Generalisierung der Pflegeausbildung stoßen in Mecklenburg-Vorpommern nicht nur auf Gegenliebe.

„Die Vereinheitlichung von Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflege funktioniert nicht“, warnt Sven Wolfgram, der Landesbeauftragte des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (bpa). Altenpfleger müssten sich beispielsweise viel weniger mit der Wundversorgung auskennen als zum Beispiel mit der Betreuung Demenzkranker. Kinderkrankenpfleger dagegen hätten in ihrem ganzen Berufsleben keinen Kontakt zu Alzheimer-Patienten. „Die entsprechenden Spezialisierungen müssten nach dem Konzept der Bundesregierung erst nach der allgemeinen Berufsausbildung erfolgen – es würde also noch länger dauern, bis der dringend benötigte Nachwuchs in unseren Einrichtungen ankommt“, so Wolfgram.

Für die Pflegeeinrichtungen selbst sei es, wenn die Berliner Pläne durchgingen, auch weniger attraktiv, junge Leute auszubilden. Zum einen, weil der Praxisanteil in der Ausbildung sehr viel kürzer als bisher sein soll. Dazu komme, dass den Ausbildungsbetrieben niemand garantieren könne, dass die neu ausgebildeten Generalisten im Anschluss an die Lehre nicht zum Beispiel in ein Krankenhaus wechseln, in dem sie im Durchschnitt 30 Prozent mehr verdienen können als in der Altenpflege.

„Solch eine Vereinheitlichung der Ausbildung wäre also genau konträr zu dem, was wir eigentlich garantieren müssen: eine angemessene Versorgung für die wachsende Zahl alter Menschen“, so der bpa-Landesbeauftragte.

„Für junge Leute hat es sicher Charme, durch solch eine generalisierte Ausbildung mehr Flexibilität im Berufsleben zu erreichen“, gesteht der Geschäftsführer der Landes-Krankenhausgesellschaft (KGMV), Wolfgang Gagzow. „Ich verstehe aber die Sorge der Altenpflege, dass der finanziell besser gestellte Bereich der Krankenpflege dann auch mehr Auszubildende anziehen könnte.“ Allerdings seien viele junge Leute auch schon zu Beginn der Ausbildung festgelegt auf den Bereich, in dem sie im Anschluss arbeiten wollen.

Gagzow hält es grundsätzlich für begrüßenswert, dass die Pflegeausbildung reformiert wird. Allerdings gebe es im Gesundheitswesen noch weitere Berufe – Hebamme oder Ergotherapeut zum Beispiel –, und für einige neue Berufe wie den operationstechnischen, den anästhesietechnischen oder den chemisch-technischen Assistenten sei die Ausbildung überhaupt noch nicht gesetzlich geregelt. Das hätte jetzt eigentlich gleich mit passieren müssen.

Auch andere Details im Reformpaket müssen Gagzow zufolge noch einmal durchdacht werden. Zum Beispiel sollen alle Auszubildenden praktische Abschnitte in Kinderkliniken absolvieren. „Wie soll das gehen?“, fragt der KGMV-Chef nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass es immer weniger dieser Stationen gibt. Es sei außerdem eine Frage der Verhältnismäßigkeit: In der Bundesrepublik würden gegenwärtig 126 000 Kranken- und Altenpflegefachkräfte, aber nur rund 6300 Kinderkrankenpfleger ausgebildet.

Praktiker begrüßen, dass die Pflegeausbildung für die Azubis durch die Reform komplett kostenfrei werden soll. Allerdings könnten die Träger der Ausbildung dafür draufzahlen.

Noch bezahlt in MV das Land die Lehrer für den berufstheoretischen Unterricht, so Gagzow – nur in Thüringen sei das ebenso geregelt. Künftig soll die Pflegeausbildung aus regionalen Ausgleichsfonds bezahlt werden, in die Krankenhäuser (57 Prozent), Pflegeeinrichtungen (30 Prozent), Länder (9 Prozent) und gesetzliche Pflegeversicherung (3,6 Prozent) einzahlen. Pflege-Anbieter und Kliniken, die ausbilden, sollen aus dem Fonds Bonus-Zahlungen erhalten.

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