Vermieter in Angst : Kampf um die Ferienwohnungen

Seine Kunden fürchten nach der Post vom Landkreis teilweise um ihre Existenz, sagt Ingo Müller, der im Auftrag der Eigentümer Ferienwohnungen in Graal-Müritz vermietet.
Seine Kunden fürchten nach der Post vom Landkreis teilweise um ihre Existenz, sagt Ingo Müller, der im Auftrag der Eigentümer Ferienwohnungen in Graal-Müritz vermietet.

Die Eigentümer von Immobilien in Graal-Müritz dürfen nicht mehr vermieten. Das erfuhren sie aus einem Schreiben des Landkreises.

svz.de von
01. März 2014, 16:00 Uhr

Aufruhr im Ostseeheilbad: Zahlreiche Eigentümer von Ferienwohnungen in Graal-Müritz haben jetzt ein Schreiben vom Landkreis erhalten, das ihnen die Vermietung ihrer Immobilien untersagt und mit Geldstrafen droht. „Die Betroffenen sind extrem verunsichert“, sagt Ingo Müller. Der ortsansässige Unternehmer kümmert sich mit seiner Firma im Auftrag der Eigentümer um die Vermietung der Objekte. Seit die Briefe zugestellt wurden, steht sein Telefon kaum mehr still. Auch bei anderen gewerblichen Vermietern ist das Problem bekannt. Laut Dr. Bernd Kuntze, dem Geschäftsführer der Tourismus und Kur GmbH (TuK), hätten bereits Ferienwohnungs-Besitzer nach der Androhung der Strafe ihren Vermietungsvertrag mit der TuK gekündigt.

Das Problem tritt indes nicht nur in Graal-Müritz auf, sondern in fast allen Urlaubsorten an der Küste – die Rede ist von mehreren tausend Fällen. In Rerik, Kühlungsborn und Wittenbeck haben sich Betroffene bereits zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen. Der Landkreis beruft sich auf ein Urteil des Oberverwaltungsgerichtes MV aus dem Jahr 2007. Das besagt, das Ferienwohnungen in Gebieten, die ein Bebauungsplan als allgemeines Wohngebiet ausweist, unzulässig sind. „Nach Rücksprache mit dem Ministerium in Schwerin halten wir uns an diese Rechtsprechung und setzen sie auch um“, sagt Kreis-Sprecher Kay-Uwe Neumann.

„Daraus kann man dem Kreis nicht mal einen Vorwurf machen“, sagt Ingo Müller. Das Problem liege seiner Ansicht nach viel höher und in der unterschiedlichen Auslegung der Landesbauordnung begründet. „Eine schreiende Ungerechtigkeit ist auch, dass das nur Eigentümer von Ferienwohnungen in B-Plan-Gebieten betrifft“, sagt er. Dort, wo es keinen Plan gebe, würden auch keine Probleme existieren und Einheimische mit Urlaubern in friedlicher Ko-Existenz leben. So, wie es bisher auch in den jetzt als illegal bezeichneten Arealen war. Müller weiß von Betroffenen mit Ferienwohnungen im Graal-Müritzer Mittel-, Lerchen- und Forellenweg sowie in der Richard-Wossidlo-Straße.

Der Unternehmer will nicht nur im Interesse seiner Kunden nicht kampflos aufgeben. „An den Ferienwohnungen hängt eine immense Wirtschaftskraft“, sagt er. Sollte das Vermietungsverbot durchgesetzt werden, drohen laut Müller Einnahmeverluste bei der Kurtaxe und im örtlichen Einzelhandel sowie bei der Gastronomie. Er selbst müsste bei Rückgang des Geschäfts über Entlassungen nachdenken. Außerdem drohe riesiger Leerstand. „Die Wohnungen sind ja als Ferienwohnungen konzipiert und können nicht so einfach umgenutzt werden – so viel Bedarf an Singlehaushalten haben wir nicht“, sagt er.

Eine weitere Folge der Diskussion sei in anderen Ostseebädern schon zu beobachten: „Das Vorgehen des Kreises fördert das Denunziantentum“, so Müller. Er weiß von Eigentümern, die angekündigt haben, rigoros auch die Besitzer anderer Ferienwohnungen zu melden, sollten sie selbst vom Vermietungsverbot betroffen werden. „Wir wollen Rechtssicherheit und nicht kriminalisiert werden“, formuliert Müller die Ziele seines Engagements.

Er hat die Problematik auch zur Gemeindevertretung durchgestellt. Die Mitglieder waren sich aber noch nicht einig, was getan werden könnte, um den Betroffenen zu helfen. Diskutiert wurde, ob das Problem mit entsprechenden Änderungen der B-Pläne zu heilen sei. Doch es gab auch Kritiker, die keinen „Persilschein“ für alle Ferienwohnungs-Besitzer ausstellen wollen. Die Bewohner des Ortes sind sich zwar der Bedeutung der Ferienwohnungen bewusst, aber auch der Tatsache, dass in der Vergangenheit zu viele solcher Objekte genehmigt wurden. „Uns geht es ja auch nur darum, den Status Quo zu halten“, sagt Müller. Die Betroffenen würden teilweise seit zehn oder mehr Jahren problemlos ihre Objekte vermieten und könnten nicht verstehen, wieso das jetzt illegal sei.

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