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Mecklenburg-Vorpommern

23. November 2017 | 17:58 Uhr

Kampf aus der Luft soll starten

vom

svz.de von
erstellt am 09.Aug.2012 | 09:44 Uhr

Potsdam | Im Kampf gegen den Eichenprozssiosspinner will Landwirtschaftminister Jörg Vogelsänger (SPD) den Bund um Hilfe bitten. "Wir müssen uns auf das kommende Jahr vorbereiten", sagte der Minister gestern. "Neben Innen- und Umweltministerium wollen wir Vertreter der betroffenen Kommunen mit dabei haben und auch die relevanten Bundesbehörden sollen eingeladen werden." Vogelsänger will erreichen, dass der Einsatz des Insektizids Dipel ES erlaubt wird. Bislang ist dessen Einsatz nur unter strengen Auflagen möglich. Eine Bekämpfung aus der Luft ist gänzlich untersagt. "Ich werde Frau Aigner bitten, bis zum kommenden Jahr für eine Zulassung dieses bewährten Mittels zu sorgen, damit wir 2013 den Schädling großflächig in Wäldern und Alleen aus der Luft bekämpfen können", gibt Vogelsänger die Richtung vor.

Seit 2006 hat sich der Spinner in Brandenburg zu einem großem Problem entwickelt. Die Population hat sich explosionsartig vermehrt. In diesem Jahr war besonders der Westen des Landes stark betroffen. In der Prignitz, Ostprignitz-Ruppin, Oberhavel, Havelland, Potsdam-Mittelmark, Teltow-Fläming, aber auch Teile von Dahme-Spreewald und Barnim. In den genannten Regionen sind sowohl Eichenbestände der Wälder als auch Alleen und Einzelbäume befallen.

Bislang darf das Insektizid Dipel ES nur mit Notfallzulassung und mit flächenmäßigen Einschränkungen vom Bund eingesetzt werden. Der Landesbetrieb Forst hat in diesem Jahr den Eichenprozessionsspinner auf 770 Hektar aus der Luft bekämpft. Zuständig für die Freigabe in Wäldern ist das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Das weist daraufhin, dass es sich bei dem Produkt zwar um ein biologisches Pflanzenschutzmittel handele, weil der wirksame Bestandteil ein natürlich vorkommendes Bakterium ist. Harmlos ist es deswegen aber nicht. "Die gefahrstoffrechtlichen Vorschriften verlangen eine Kennzeichnung als ’reizend’ mit dem Andreaskreuz als Gefahrensymbol sowie den Gefahrenhinweis ’Sensibilisierung durch Hautkontakt möglich’ ", erklärte die Sprecherin Nina Banspach auf Nachfrage unserer Redaktion. Der Einsatz aus der Luft wird zusätzlich durch die Konzentration des Mittels verschärft. In solchen Fällen muss "das Mittel mit weniger Wasser, also stärker konzentriert ausgebracht werden als bei Anwendungen am Boden", sagte Banspach weiter. Ob es möglicherweise trotzdem im nächsten Jahr zugelassen wird, konnte das BVL nichts sagen.

Auch in der Prignitz soll 2013 großflächig gegen den Spinner vorgegangen werden. Landrat Hans Lange sah sich heftiger Kritik ausgesetzt, weil die Behörden das Problem lange nicht erkannt hatten. Erst nach Monaten reagierte Lange und kündigte ein koordiniertes Vorgehen an (Prignitzer berichtete). So wie es im benachbarten Havelland bereits geschieht. Alle Kommunen in der Prignitz sind aufgefordert, bis zum 15. August befallene Bäume und Flächen zu melden. Bis dahin werden in dem Landkreis die Raupennester abgesaugt. Das Fass zum Überlaufen brachte schließlich die Absage von Ferienlagern am Rudower See. 30 Kinder litten an starken Hautausschlägen, ein Junge zog sich eine Augenentzündung zu.


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