IHK in MV : Kammern kassieren 40 Millionen

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Handwerk: Schwerin und Rostock sollen fusionieren

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02. Dezember 2014, 08:00 Uhr

Teure Kammerwirtschaft in MV: Für die größtenteils per Gesetz vorgeschriebene Mitgliedschaft in Kammern müssen Freiberufler, Ärzte, Unternehmer, Anwälte und Ingenieure ihr Geschäftskonto teilweise massiv belasten. Die Firmeninhaber finanzieren zwölf Kammern in MV jährlich mit mindestens 40 Millionen Euro, geht aus dem gestern vorgestellten Kammerbericht 2014 des Bundesverbandes für freie Kammern (BffK) hervor. Dabei sind die Etats der Steuerberater-, Ärzte- und Tierärztekammer noch nicht berücksichtigt, die bislang keine Angaben gemacht haben. Der auf Kammerangaben und BffK-Recherchen beruhende Report gibt erstmals einen umfangreichen Einblick in die milliardenschweren Haushalte der bundesweit mehr als 330 Kammern.

Die meisten Einnahmen in MV verbuchen die zwei Handwerks- sowie drei Industrie- und Handelskammern – zusammen mehr als 35 Millionen Euro. Die Zahnärztekammer muss mit einem Etat von 1,9 Millionen Euro auskommen. Die Lotsenbrüderschaft Wismar, Rostock, Stralsund nimmt gerade 100 000 Euro ein.

Die Unterschiede sind deutlich, regional aber auch im Vergleich der verschiedenen Wirtschaftskammern: Betroffen sind vor allem Handwerker. Die Beiträge seien für die Betriebe zu einer echten Belastung geworden, erklärte BffK-Chef Kai Boeddinghaus gestern. Das gelte umso mehr, wenn noch Beiträge für Innungen hinzukommen. So müssen nach BffK-Berechnungen auf Grundlage der Haushaltssatzungen Handwerker mit einem Jahresgewinn von 25 000 Euro in Schwerin 491 Euro Beitrag zahlen, in Rostock/Neubrandenburg 370 Euro. Zum Vergleich: In Köln werden 170, in Lübeck 254 Euro berechnet. Damit zahlen Handwerker in MV bis zu viermal mehr als ihre Unternehmerkollegen bei den drei Industrie- und Handelskammern – Schwerin verlangt für Firmen ohne Handelsregistereintrag mit einem 25 000-Euro-Jahresgewinn 193 Euro, Neubrandenburg 114 und Rostock lediglich 98 Euro.

Kammerkritiker drängen auf Einsparungen: Vor allem im Handwerk, so Boeddinghaus: „Zwangsmitgliedschaft und Gebietsschutz lassen Kammern in der Hängematte ruhen.“ Stattdessen müsse gegen die „Überorganisation“ vorgegangen werden. Während die Kammern vom Staat vehement schlanke Strukturen forderten, müssten Kammermitglieder beispielsweise für jede Kammer eine Verwaltung finanzieren, samt Geschäftsführung. In MV sei es Zeit, die beiden Handwerkskammern zu fusionieren, forderte Boeddinghaus. Auch die drei IHK sollten sich langfristig zu einer Wirtschaftskammer zusammenschließen.

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