Verwirrung um Rostocks IHK-Präsident Wolfgang Hering : Kammerchef vor dem Rückzug?

 <strong>Seit zehn Jahren im Amt:</strong> IHK-Präsident Wolfgang Hering <foto>archiv</foto>
Seit zehn Jahren im Amt: IHK-Präsident Wolfgang Hering archiv

Verwirrung in der Chefetage der IHK Rostock: In der größten Wirtschaftskammer Mecklenburg-Vorpommerns wird über einen Rückzug des langjährigen Präsidenten Wolfgang Hering von der Kammerspitze gemutmaßt.

svz.de von
28. Januar 2013, 08:04 Uhr

Rostock | Verwirrung in der Chefetage der Industrie- und Handelskammer Rostock (IHK): In der größten Wirtschaftskammer Mecklenburg-Vorpommerns wird über einen Rückzug des langjährigen Präsidenten Wolfgang Hering von der Kammerspitze gemutmaßt. Der Unternehmer, der erst vor knapp einem Jahr von der Vollversammlung mit großer Mehrheit erneut an die Spitze der Kammer gewählt worden war und inzwischen seit zehn Jahren die Kammer führt, könnte sein Amt möglicherweise schon heute bei einer Vollversammlung zur Verfügung stellen, wurde erklärt. Hering selbst war gestern nicht erreichbar. Auch im fünfköpfigen Präsidium und der Hauptgeschäftsführung wollte sich niemand dazu äußern.

Als Hintergrund für den Rücktritt wird in Rostocker Kammerkreisen unter anderem ein Streit um den diesjährigen Haushalt der Kammer genannt. Der von der IHK-Geschäftsführung vorgelegte Etatplan war im vergangenen Herbst vom Wirtschaftsparlament in den Haushaltsausschuss zurückgewiesen und nicht beschlossen worden - in der Kammerwelt ein nahezu einmaliger Vorgang. Mit mehreren Monaten Verzug soll die Vollversammlung erst heute den Haushalt für dieses Jahr beschließen. Rostocks Hauptgeschäftsführer Andreas Sturmowski führte gestern Terminschwierigkeiten dafür an, dass der Haushalt nicht rechtzeitig Ende vergangenen Jahres bestätigt worden sei. Die in den Wirtschaftssatzungen ausgewiesenen Aufwendungen der Kammer waren seit 2009 stets erhöht worden - von 8,1 Millionen Euro 2009 auf 8,8 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Seit 2006 haben sich die Aufwendungen sogar um insgesamt 1,8 Millionen Euro erhöht. Für 2013 seien keine Steigerungen "in extremer Form" vorgesehen, meinte Kammerchef Sturmowski gestern. Allerdings würden auf die Kammer einige neue Aufgaben hinzukommen.

Die Führungsdebatte in Rostock könnte indes zur Belastung für die laufenden Fusionsverhandlungen mit der IHK Schwerin werden. Die Rostocker hatten schon in der Vergangenheit ihre Schweriner Kollegen immer wieder seit Beginn der Fusionsverhandlungen vor vollendete Tatsachen gestellt. So waren entgegen getroffener Absprachen Details eines Prüfberichtes veröffentlicht worden, lange bevor das Schweriner Wirtschaftsparlament informiert worden war. Auch Rostocks Kammerchef Hering war gern vorgeprescht. So hatte er schon lange bevor die Schweriner Kammer über die Aufnahme von Fusionsverhandlungen entschieden hatte klargestellt: Nach den Ergebnissen des Prüfberichts laufe alles auf eine Fusion hinaus. "Das Fusionsmodell hat den größten Effekt" , meinte er vergangenen Sommer. Externe Berater hätten ein Einsparpotenzial von bis zu einer Million Euro pro Jahr prognostiziert, das sich vollständig im zehnten Jahr nach der Fusion einstellen werde, so Hering. Die Kammern müssten Arbeitsprozesse optimieren, die Durchschlagskraft erhöhen und mehr Qualität liefern. "Wir können uns keine Doppelarbeit mehr erlauben", hatte Hering erklärt, betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen und für eine Fusion auf Augenhöhe plädiert.

Davon sehen Kritiker die Gespräche aber weit entfernt. Gerade erst hatte sich die Aufregung in der Schweriner Kammer über den forschen Verhandlungsstil der Hansestädter gelegt, da wird in Westmecklenburg neuer Unmut laut. Inzwischen seien sich die Rostocker, ohne dass Entscheidungen gefallen seien, ihrer Sache wieder zu sicher, meinte ein Kammermitglied. Auch wecke die Postenverteilung in einer neuen, größeren Kammer Begehrlichkeiten an der Küste. Kritiker erkennen indes längst eine Vorentscheidung für die Hansestadt.

Die Klagen lässt Kammerchef Sturmowski nicht gelten: Die Fusionsgespräche liefen "partnerschaftlich" und seien mit allen Beteiligten "abgestimmt." Sturmowski: "Wir lassen uns in der Ruhe nicht stören."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen