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IHK Schwerin : Kammer-Bildungszentrum meldet Insolvenz an

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Geldnot in der Berufsschule: Das IHK-Bildungszentrum hat Insolvenz angemeldet. Der Antrag sei bereits am Dienstag eingereicht worden. Grund seien Rückforderungen des Landesförderinstituts .

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erstellt am 17.Jul.2013 | 08:40 Uhr

Schwerin | Geldnot in der Berufsschule: Das IHK-Bildungszentrum hat Insolvenz angemeldet. Der Antrag sei bereits am Dienstag eingereicht worden, bestätigten die Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwerin und das Amtsgericht Schwerin gestern. Grund seien Rückforderungen des Landesförderinstituts (LFI), erklärte IHK-Bildungschef Peter Todt. Die Kammertochter habe 13 Jahre lange mit Fördermitteln für die Wirtschaft der Region die Verbundausbildung organisiert und für die Unternehmen Teile der Berufsausbildung übernommen. Nach der Überprüfung der Abrechnungen fordere das LFI nun Fördermittel zurück - wie es hieß Beihilfen in siebenstelliger Höhe. Offenbar gab es gravierende Mängel bei der Abrechnung und dem Nachweis der Kosten für Honorare und Maschinen. Gegen die Entscheidung des Landesförderinstituts solle Widerspruch eingelegt werden, kündigte Todt an. Die Geschäftsführung des Bildungszentrums hüllt sich indes in Schweigen - keine Stellungnahme trotz mehrfacher Nachfragen. Warum über Jahre die Abrechnungsfehler nicht aufgefallen waren, blieb offen.

Die jetzt aufgeflogene fehlerhafte Ausbildungsförderung war offenbar schon länger vermutet worden. Das vom LFI bemängelte Beihilfeverfahren fällt u. a. in die Zeit des ehemaligen Chefs des IHK-Bildungszentrums, Reimond Weding. Der war im Frühjahr 2012 vorzeitig in den Ruhestand geschickt worden und Evelyn Nadollek zur neuen Chefin berufen worden.

Trotz Insolvenzantrag soll das Bildungsgeschäft weiter laufen. Nach erster Einsicht sehe die Liquiditätslage gut aus, erklärte der vom Amtsgericht bestellte vorläufige Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus gestern auf Anfrage. Eine Fortführung des Bildungszentrums sei möglich, so dass "in Ruhe über eine Sanierung" verhandelt werden könne. Die Juni-Gehälter für die 22 Beschäftigten seien gezahlt. Für Juli, August und September werde derzeit über eine Insolvenzgeldvorfinanzierung gesprochen, erklärte Denkhaus. Zu den Rückforderungen des Landesförderinstituts in siebenstelliger Höhe wollte sich Denkhaus nicht äußern.

Insolvenz eines IHK-Bildungszen-trums - bundesweit ein bislang nahezu einmaliger Fall. Die Schweriner Bildungsstätte war bereits vor eineinhalb Jahren in finanzielle Schieflage geraten. In dem seit den 90er-Jahren mit einem einstelligen Millionenbetrag aufgebauten Bildungszentrum blieben die Ausbildenden weg. Im Vergleich zu den Vorjahren war die Zahl der Lehrlinge um 50 Prozent zurückgegangen, hatte IHK-Präsident Hans Thon Anfang 2012 erklärt. Das Geschäft sei "nicht auskömmlich", so der heutige IHK-Hauptgeschäftsführer Siegbert Eisenach vor eineinhalb Jahren. Das Bildungszentrum müsse auf Rücklagen zurückgreifen, hieß es. Konkursgefahr bestehe aber nicht, versicherte Thon damals. Die Kammer zog die Notbremse und suchte die Kooperation mit dem Schweriner Ausbildungszentrum (SAZ) und dem Bildungszentrum der Handwerkskammer Schwerin. Danach konzentrierte sich die IHK auf die kaufmännische Ausbildung, das SAZ die Industrie- und Metallberufe und Handwerk auf den eigenen Bereich. "Das greift", meinte Todt gestern. Allerdings: Ende 2012 war mehr als zehn Mitarbeiter im IHK-Bildungszentrum gekündigt worden.

Für das Bildungszentrum kommt es noch dicker: Seit Anfang April ermittelt die Schweriner Staatsanwaltschaft nach einer Strafanzeige des Landesförderinstituts (LFI) gegen Verantwortliche des Bildungszentrums wegen des Verdachts des Subventionsbetrugs. Danach habe möglicherweise für die zwischen 2007 und 2010 ausgereichten Fördermittel in Höhe von 590 000 Euro kein oder nur ein teilweiser Anspruch bestanden. Es bestehe der Verdacht, dass Teilnehmer nicht oder nicht in vollem Umfang an den Kursen des IHK-Bildungszentrums teilgenommen haben, erklärte Oberstaatsanwalt Stefan Urbanek, der Sprecher der Schweriner Staatsanwaltschaft, gestern.

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