Helios Kliniken Schwerin : Kamera ab für die Händedesinfektion

Sandra Amling führt vor, wie man sich – als Schwester ebenso wie zum Beispiel als Besucher – richtig die Hände desinfiziert.
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Sandra Amling führt vor, wie man sich – als Schwester ebenso wie zum Beispiel als Besucher – richtig die Hände desinfiziert.

An den Schweriner Helios Kliniken unterstützen jetzt Filme die Patientenaufklärung. Wir waren bei einem Dreh vor Ort

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24. September 2017, 09:00 Uhr

Udo Tanzke ist mit der Aufnahme noch nicht ganz zufrieden: „Können Sie den letzten Satz wiederholen?“ Dr. Kristina Biedermann nickt, blickt in die Kamera und spricht den Satz noch einmal: „Wir wünschen Ihnen einen angenehmen, komplikationslosen und kurzen Aufenthalt in unserer Klinik.“ Doch der Kameramann ist immer noch nicht einverstanden: „Bitte noch etwas mehr lächeln.“ Die Leiterin der Abteilung Klinische Hygiene und Infektiologie der Schweriner Helios Kliniken drückt den Rücken durch und die Mundwinkel noch weiter nach oben: „Wir wünschen Ihnen einen komplikationslosen…“ „Stopp, bitte zu mir schauen, nicht zur Tür.“ „Wir wünschen Ihnen einen kurzen, angenehmen und komplikationslosen Aufenthalt.“

Endlich steht die Szene – und der ganze Tross, zu dem neben zwei Mitarbeitern der Helios-Kommunikationsabteilung auch noch der zweite Kameramann Thomas Baeter und Tonassistentin Peggy Andes gehören, steigt zwei Treppen hinunter. Dort, auf dem Flur und in einem Patientenzimmer des Schlaflabors, soll die nächste Szene gedreht werden.

Herauskommen soll ein Patienteninformationsfilm zum Thema Krankenhaushygiene, einer von dreien, die das Kamerateam an diesem Tag im Auftrag der Schweriner Helios Kliniken dreht. Die ersten derartigen Filme – zehn an der Zahl – sind bereits seit Mai auf den Internetseiten der einzelnen Fachabteilungen, im Patienten-TV und auf dem hauseigenen YouTube-Kanal zu sehen. Gezeigt wird unter anderem, was bei einer Mammographie und während einer Operation passiert, wie ein Herzschrittmacher eingesetzt oder eine Herzkatheteruntersuchung durchgeführt wird. Es wird erläutert, welche verschiedenen Prothesen es gibt, was eine Computer- und was eine Magnetresonanztomographie ist. Weitere Filme – zu den Themen Schlaganfall-Therapie, Knopfloch-Chirurgie, Schlucktherapie und Behandlung von Multipler Sklerose – sind ebenfalls schon gedreht, laufen aber noch nicht.

Den Anstoß zu diesem Projekt hätte in gewissem Sinne der Hauptredner auf dem letzten Helios-Jahresempfang, Fernseharzt Dr. Johannes Wimmer, gegeben, erzählt Martin Ulbrich, der in der Kommunikationsabteilung für die Patienteninformationsfilme verantwortlich ist. Wimmer hätte klar gemacht, dass Ärzte in der Kommunikation ebenso digital unterwegs sein müssten , wie es ihre Patienten bereits sind. „Und dazu sind drei- bis vierminütige Filme einfach ideal“, meint Ulbrich.

Die ersten Filme hätte eine Hamburger Firma produziert, die dafür einen Büroraum im Schweriner Klinikum in ein Studio umgebaut hätte. „Der Hintergrund sah also immer gleich aus – und wir hatten tatsächlich Anfragen, ob sich die Chefärzte bei uns etwa ein Büro teilen müssten“, erzählt Martin Ulbrich. Inzwischen sei man auf ein Schweriner Filmteam umgestiegen und könne die Protagonisten nun „in ihrer natürlichen Umgebung“ zeigen.

Für Dr. Kristina Biedermann und ihre Mitarbeiter sind diese „natürliche Umgebung“ die verschiedenen Stationen der Helios Kliniken. „Unsere Aufgabe ist es, die behandelnden ärztlichen und pflegerischen Kollegen zu beraten und dabei zu unterstützen, das Auftreten gefürchteter Krankenhausinfektionen zu vermeiden“, hatte sie bereits in einer der ersten Aufnahmen erklärt. „Viele Patienten verstehen nicht, dass Flusen unter dem Bett, also ein Reinigungsproblem, und Krankenhaushygiene zweierlei sind“, meint sie später – und hofft, dass der Informationsfilm hilft, mit diesem Missverständnis aufzuräumen.

Dass die nächste Szene im Schlaflabor gedreht werden soll, hat einen ganz einfachen Grund: Es liegt im selben Gebäude wie das Büro der Krankenhaushygienikerin – und hier ist tagsüber ein Patientenzimmer frei. Gebraucht wird hier allerdings nur ein Desinfektionsmittel-Spender. Hygieneschwester Sandra Amling soll für das Kamerateam demonstrieren, wie die Hände richtig desinfiziert werden. Von den jährlich rund 500 000 Krankenhausinfektionen in Deutschland ist nämlich ein Drittel vermeidbar, erklärt Dr. Biedermann vor der Kamera, und: „Die wichtigste und effektivste Hygienemaßnahme ist die Händedesinfektion.“

Ob anschließend wirklich alles sauber ist, macht eine Schwarzlichtlampe sichtbar. Udo Tanzke versucht es nach dem Dreh selbst – und besteht den Test in der Schwarzlichtbox mit Bravour. „Wir könnten Sie glatt anstellen“, ulkt Dr. Biedermann. Ihre anfängliche Anspannung ist längst verschwunden. „Vor hundert Leuten einen Vortrag zu halten, macht mir nichts aus – aber vor der Kamera fühle ich mich irgendwie gehemmt“, gesteht die Medizinerin.

Doch Udo Tanzke ist mit ihr sehr zufrieden. „Mit Ärzten zu arbeiten ist fast immer unkompliziert. Sie sind es gewohnt, frei und vor Menschen zu sprechen – und sie kommen schnell auf den Punkt“, lobt er.

Die Patienten nehmen die bisher veröffentlichten Informationsfilme ganz unterschiedlich an. Geradezu ein Renner sei der Beitrag über die Geburt, so Martin Ulbrich – „vielleicht auch, weil das Thema eine junge Zielgruppe anspricht, die sehr affin zu neuen Medien ist“. Über bestimmte Operationen informierten sich dagegen manchmal nur hundert Zuschauer. Messbar sei aber bisher ohnehin lediglich der Abruf auf YouTube.

Auf keinen Fall sollen und können die Filme das ärztliche Aufklärungsgespräch ersetzen. „Wir haben aber Rückmeldungen, dass Patienten, die vor diesem Gespräch einen unserer Filme gesehen haben, ihrem Arzt viel gezielter und intelligenter Frage stellen“, erklärt Martin Ulbrich. Auch für weitere Drehs gibt es schon Ideen – sie gehen unter anderem auf Anregungen und Kritiken zurück, die in den Patientenfragebögen geäußert wurden. „Als Nächstes machen wir etwas zum Thema Reinigung“, kündigt Ulbrich an. Nicht nur Dr. Kristina Biedermann wird das freuen.

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