Wirtschaft MV : Kalter Winter vermiest Start des Heringsfangs

Eis und Sturm machen der Heringsfischerei an der Ostseeküste zu schaffen.

Eis und Sturm machen der Heringsfischerei an der Ostseeküste zu schaffen.

Die Stellnetzfischer stehen vor einer schweren Heringssaison. Sie können die Häfen wegen des langen Winters nicht verlassen. Die Schleppnetzfischerei verzeichnet gute Fänge.

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20. März 2018, 05:00 Uhr

Eis und Sturm machen der Heringsfischerei an der Ostseeküste zu schaffen. Die Stellnetzfischer in der größten Fischereigenossenschaft des Landes in Freest (Vorpommern-Greifswald) können noch immer ihre Netze nicht stellen. „So einen schlechten Start wie in diesem Jahr haben wir noch nie gehabt“, sagte der Vorsitzende der Fischereigenossenschaft Freest, Michael Schütt, am Montag. Nach der langen Frostperiode sei der Hafen bereits eisfrei gewesen, dann aber habe der starke Ostwind Eisschollen in den Hafen getrieben. Boddengewässer seien zum Teil wieder gefroren.

Die Schleppnetzfischerei, die seit Januar in der freien Ostsee auf Heringsfang geht, verzeichnet bislang gute Fänge. „Wir gehen davon aus, dass die Quote in zwei Wochen abgefischt sein wird“, sagte der Betriebsleiter des EuroBaltic-Fischwerkes in Sassnitz, Andreas Berthold. Bislang seien im Fischwerk rund 4500 Tonnen von insgesamt 6000 Tonnen Schleppnetzhering angeliefert worden.   Von den Stellnetzfischern aus Mecklenburg-Vorpommern wurden hingegen nur rund 50 Tonnen Fisch an das Fischwerk geliefert - das entspricht etwa ein Zehntel der erwarteten Menge, sagte Berthold. „Die Witterungsverhältnisse sind in diesem Jahr schwierig.“ Bei Nachttemperaturen um minus acht Grad ist nach Einschätzung der Freester Fischer auch nicht damit zu rechnen, dass sich die Lage zügig ändert. „Wir werden mindestens noch eine Woche im Hafen festliegen“, schätzt Schütt. Von Freest starten rund 20 Stellnetzfischer der Genossenschaft sowie weitere Kutter aus anderen Genossenschaften zum Stellnetzfang in die Boddengewässer.

Alljährlich im Frühjahr schwimmen die Heringe in großen Schwärmen zum Laichen in die küstennahen Gewässer. Der Greifswalder Bodden gilt als Kinderstube des westlichen Herings. Zu befürchten sei, dass die Fangsaison bei einem schnellen Wetterumschwung sehr schnell wieder vorbei sein könne, weil die Fische dann zügig ablaichen und deren Qualität sinke, sagte Schütt. Die Fischer in Freest liefern ihren Fang hauptsächlich an einen Fischverarbeiter nach Dänemark, wo der Hering vor allem wegen des Rogens geschätzt wird. Der Rogen geht von dort als Delikatesse nach Asien. Im Fischwerk in Sassnitz geht man davon aus, dass die diesjährige Heringssaison erst im Mai - und damit ungewöhnlich spät - enden wird.

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