Bootsbau : Kai Zausch baut Wikinger-Boote

Sieben Monate Arbeit stecken in dem  Boot, das Kai Zausch  in  Haithabu      kosequent nach Wikinger-Art gebaut  hat.
Sieben Monate Arbeit stecken in dem Boot, das Kai Zausch in Haithabu kosequent nach Wikinger-Art gebaut hat.

Zickhusener verwirklicht am Museum Haithabu bei Schleswig seinen Traum: Schiffbau wie zu Zeiten der Nordmänner

svz.de von
17. November 2014, 20:19 Uhr

Für Bootsbauer Kai Zausch wurde ein Traum wahr. Und der 46-Jährige aus Zickhusen bei Schwerin hat ihn mit eigenen Händen umgesetzt: Am Museum Haithabu bei Schleswig schuf er ein Wikinger-Boot. „Ich habe schon an vielen solcher Projekte mitgewirkt“, erzählt Zausch. „Doch beim Bau dieses Bootes sind wir konsequent nach Wikinger-Bauart vorgegangen.“ Das heißt nicht nur, dass mit frisch gefällten Eichen und Kiefern schon die vor 1000 Jahren verwendeten Baumarten genutzt wurden. Kai Zausch und seine Helfer arbeiteten ausschließlich mit Werkzeugen der Nordmänner. Natürlich nicht mit den Originalen, aber mit Nachbildungen von Fundstücken.

Die Bauweise ist dem aus Wustrow stammenden Mecklenburger vertraut. An der Ostsee hat Zausch, der seit 2002 in Zickhusen lebt, sein Handwerk von der Pike auf erlernt. Wikinger-Boote faszinieren ihn besonders. „Die mussten leicht, flexibel und dennoch stark sein“, erzählt der 46-Jährige. „Sie bestanden aus Holzplanken. So wie auch die Boote der anderen Völker, die damals mehr im Ostraum lebten.“

Die Nordmänner fällten im Herbst Bäume, machten aus den Stämmen noch im Wald Planken, Bretter und Bohlen. Auch das Krummholz nahmen sie mit an die Küste. Dort wurden im Winter neue Boote gebaut. Vom Kiel angefangen wurde Planke über Planke gelegt – mit jeweils einer leichten Überlappung. Für den Bootsteil unter der Wasserkante verwendeten die Wikinger Eiche, über Wasser durfte es die nicht so beständige Kiefer sei. Aus Brettern und Krummholz entstanden Sitzbänke für die Ruderer und den Steuermann. Hinzu kam die Halterung für ein Rahsegel. „Das werden wir erst zu Ostern aufsetzen und dann die Jungfernfahrt auf einem Nebenarm der Schlei machen“, blickt Zausch ins nächste Jahr. Die Probefahrt hat der Bootskörper aber schon hinter sich. Anfang November gab es den „Stapellauf“ in Haithabu (SVZ berichtete) und eine kleine Ruderfahrt. „Alles hat super geklappt. So wie ich das erhofft hatte.“

Sieben Monate Arbeit hat der 46-Jährige bislang in dieses Projekt gesteckt. Ein Zimmermann und später zwei Wandergesellen haben dem Bootsbauer dabei geholfen. „Und unzählige Freunde des Wikinger-Museums sowie Freiwillige aus der Region Schlei“, betont Zausch. Die Region fördert das Projekt. Denn das fertige Schiff soll vom nächsten Jahr an für das Wikinger-Museum Haithabu werben. Besucher sollen dann kleine Ausflüge mit dem Boot unternehmen können.

Es war nicht das erste Mal, dass sich Kai Zausch mit solch einen Großprojekt aus seiner heutigen Arbeit ausklinken konnte: Während der Buga 2009 hatte er in Schwerin ein Plankenboot der Slawen gebaut. Sich nach solchen Projekten wieder auf den Job umzustellen, fällt dem Bootsbauer nicht schwer. Denn auch heute arbeitet der 46-Jährige an Fahrzeugen die leicht, flexibel und stark sein müssen – an Flugzeugen. Kai Zausch ist bei Flamm-Aerotec in Schwerin beschäftigt. „Mein Arbeitgeber hat mich freigestellt, damit ich das Wikinger-Projekt umsetzten kann“, bedankt sich der Zickhusener.

Für das nächste Jahr hat Zausch kein neues Großprojekt in petto. Doch Träume gibt es: 2016 will er mit dem Wikinger-Boot nach Norwegen und Dänemark segeln.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen