Ausverkauf im Wald : Käufer für Staatswald stehen Schlange

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Zwei Jahrzehnte nach der Einheit will der Bund die Privatisierung des ehemals volkseigenen Waldes in MV bis 2014 bis auf Restflächen mit Feldgehölzen abschließen. In diesem Jahr sollen fast zwei Fünftel verkauft werden.

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08. März 2013, 07:52 Uhr

Schwerin | Ausverkauf im Wald: Zwei Jahrzehnte nach der Einheit will der Bund die Privatisierung des ehemals volkseigenen Waldes in MV bis 2014 bis auf Restflächen mit Feldgehölzen abschließen. In diesem Jahr sollen fast zwei Fünftel der noch 10 500 Hektar Forst in Bundesbesitz verkauft werden, kündigte der Landeschef der Bodenverwertungs- und -verwaltungsgesellschaft (BVVG), Johann Jakob Nagel, an.

In diesem Jahr kämen Waldstücke bis zu einer Größe von 50 Hektar zum Verkauf - in allen Landesteilen. Die Filetstücke des Jahres: Im Landkreis Rostock stehen zwei Waldstücke mit einer Größe von 280 bzw. 150 Hektar auf der Verkaufsliste. Die Kaufanwärter stehen Schlange: Obwohl die großen zusammenhängende Waldstücke längst privatisiert worden seien, "ist das Interesse riesengroß", sagte Nagel. Für attraktive Waldstücke gingen im Schnitt 30 Kaufangebote ein - Tendenz: steigend. Besonders Alteigentümer zieht es in den Wald. Sie wollten mit dem begünstigten Kauf von Wald ihr gesetzlich verankertes Erwerbsrecht wahrnehmen.

Der größte Waldverkauf in der deutschen Nachkriegsgeschichte bringt dem Bund Millionen in die Kasse: Beim Verkauf nach Verkehrswert nahm der Finanzminister im vergangenen Jahr in MV durchschnittlich 5844 Euro je Hektar ein - deutlich mehr als im Schnitt der neuen Bundesländer. In den vergangenen acht Jahren haben sich die Preise mehr als verdoppelt. Zu den Käufern des ehemals volkseigenen Waldes zählen Landwirte, Wieder- oder Neueinrichter, Forstunternehmer oder Jäger. Gekauft wird in allen Preislagen: Je nach Baumbestand würden für einen Hektar Erlenwald 1000 Euro, für einen Hektar mit hochwertigem Baumbestand aber auch mehr als 10 000 Euro gezahlt, erklärte Nagel. Die Preise seien inzwischen derart gestiegen, dass sie ökonomisch für viele Forstbetriebe nicht mehr tragbar seien, klagt der Waldbesitzerverband.

Seit dem ersten Waldverkauf von 450 Hektar nahe Raben-Steinfeld bei Schwerin an den Herzog Christian Ludwig zu Mecklenburg wurden von den insgesamt 193 000 Hektar ehemals volkseigenen Wald in MV 97 500 privatisiert, ein Teil rückübertragen und 8700 Hektar an Naturschutzflächen als nationales Naturerbe kostenlos an Naturschutzverbände, Stiftungen und die Landesverwaltung in MV übergeben.

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