Tierpark Burg Stargard : Känguru & Co. suchen ein Zuhause

Insgesamt fünf Kapuzineraffen warten auf eine Vermittlung.
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Insgesamt fünf Kapuzineraffen warten auf eine Vermittlung.

Viele Anfragen von Interessenten: Tierpfleger kümmern sich in Burg Stargard weiterhin um die 250 Tiere

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14. November 2015, 07:25 Uhr

Es ist ruhig geworden im Tierpark Burg Stargard nahe Neubrandenburg: Wo sich einst einmal Kinder, Erwachsene und Senioren den steilen, erschwerlichen Weg auf den Berg bis zu den Tiergehegen hochgekämpft haben, warten nun die Zootiere vergebens auf einen Besucheransturm. Seit dem 1. November dieses Jahres ist der Tierpark geschlossen – nicht wie sonst üblich saisonbedingt, sondern für immer. 250 Tiere suchen nun ein neues Zuhause. Und das Interesse an den Kängurus, Affen, Nasenbären und Co. ist groß. Doch wann die Umzugskisten genau gepackt werden müssen, ist bislang noch ungewiss.

„Wir haben unzählige Anfragen durch die vielen Medienberichte bekommen. Nicht nur aus der Region, sondern auch deutschlandweit und sogar aus dem Ausland. Beispielsweise aus Polen, den Niederlanden oder Mallorca“, sagt Martin Richter, Tourismusleiter der Stadt Burg Stargard. „Das hat uns sehr überrascht“, führt er fort. Doch, eine internationale Vermittlung der Tiere sei nicht geplant. „Im Vordergrund steht, ein artgerechtes neues Zuhause zu finden“, sagt Richter. Deshalb werden erst einmal alle Anfragen von zoologischen Einrichtungen und Privatpersonen gesammelt und dann mit dem Landkreis Mecklenburgische Seenplatte abgestimmt. Die Ämter prüfen dann die Haltungsbedingungen bei den Interessenten. Schließlich brauchen Kängurus, Luchse oder auch Wildtiere große Auslaufflächen und entsprechende Gehege. Bei den Affen werde zudem geschaut, sie als Gruppe abzugeben, um sie nicht unnötigem weiteren Stress auszusetzen, erzählt Richter.

Doch bis zu einem möglichen Transport in eine neue Heimat werden alle Tiere wie gewohnt weiter gefüttert und gepflegt, so der Tourismusleiter und ergänzt: „Die Ängste einiger Bürger, dass die Tiere geschlachtet werden oder verhungern könnten, ist somit vollkommen unbegründet.“ Insgesamt vier Tierpfleger kümmern sich weiterhin, wie gehabt, um den Bestand. „Wir wissen nicht, wie lange es dauern wird, bis alle Tiere untergebracht sind. Es kann sein, dass es nur Monate dauert, oder aber ein, zwei Jahre“, so Richter.

Doch an der Entscheidung der Stadtvertreter vom September, den Tierpark Burg Stargard zu schließen, werde nicht mehr gerüttelt. Denn die Kosten für eine Sanierung sind einfach zu hoch, sagt Richter und zeigt auf die kaputten Wege im Tierpark. Weitere Einsparungen wären zudem auch nicht möglich gewesen. Es fehle schlichtweg an den finanziellen Mitteln.

Dass viele Menschen traurig sind wegen der Schließung, kann der Tourismusleiter Martin Richter verstehen. Doch im persönlichen Gespräch hätte sich oft gezeigt, dass sich manche schon gar nicht mehr an ihren letzten Besuch im Tierpark erinnern konnten, weil er schon Jahre zurückliege. „Jeder Eintritt hätte den Tierpark jedoch unterstützt“, so Richter wehmütig.

In der weiteren Planung soll nun auf dem Berg, von dem Besucher einen guten Blick auf die Kleinstadt haben, ein Park entstehen. „Ein grünes Klassenzimmer ist beispielsweise hier schon geplant“, sagt Martin Richter und zeigt am hinteren Ende des einstigen Tierparks auf eine momentan mit Laub bedeckte leere Fläche. Schulklassen haben den Tierpark oft für den Naturkundeunterricht genutzt. Auch um den Naturpfad auszuprobieren oder ihren Tastsinn in den aufgestellten abgedunkelten Kästen zu testen. Das soll auch im geplanten – neuen – Park beibehalten werden.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge sieht Martin Richter nach eigenen Aussagen der Auflösung des Tierparks entgegen. „Es ist natürlich traurig, dass wir schließen und die Tiere abgeben müssen, doch wir hoffen, dass es ihnen woanders genauso gut gehen wird“, sagt der Tourismusleiter, als es für ihn anschließend den steilen Berg hinab in Richtung Innenstadt geht.

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