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Mecklenburg-Vorpommern

24. November 2017 | 08:45 Uhr

Kälte knackt Rekordwerte

vom

svz.de von
erstellt am 06.Feb.2012 | 07:42 Uhr

Potsdam /Prignitz. | Es ist kalt, bitterkalt in Brandenburg. Die kälteste Nacht seit 25 Jahren wurde gestern in der Mark gemessen, sagte Meteorologe Jörg Riemann vom privaten Wetterdienst Meteogroup Deutschland. Ähnliche Werte seien zuletzt 1987 in beiden Teilen Berlins und den damaligen Bezirken des heutigen Landes Brandenburg gemessen worden.

Forst: Der aktuelle Brandenburger Rekord lag in Forst (minus 25) und in Baruth (minus 23 Grad). Potsdam sowie die Flughafengemeinde Schönefeld seien in der Nacht zum Montag von 20 Minus-Graden "erwischt" worden, sagte Riemann. "Diese tiefen Temperaturen waren aber vorerst der Höhepunkt", betonte Riemann. In der Nacht zum Dienstag würden in der Region "nur noch" 14 bis 17 Grad minus erreicht. Bis zum Donnerstag stiegen die Tageswerte auf minus drei, minus vier Grad, auch nachts bewegten sich die Minustemperaturen im einstelligen Bereich. Für das Ende der Woche kündigte Riemann erneut eisige Kälte an: "Ab der Nacht zum Freitag rutschen die Minuswerte aber wieder in den Keller." Er rechne mit 20 Grad minus in der Nacht von Freitag zum Sonnabend.

Strausberg: Bei der Eiseskälte ist am Wochenende im Großen Stienitzsee bei Strausberg ein 65 Jahre alter Eisangler ums Leben gekommen. Die genauen Todesumstände seien noch unklar, sagte ein Polizeisprecher gestern. Der 65-Jährige sei in der Nacht zu Sonntag gegen 0.30 Uhr als vermisst gemeldet worden. Sein Fahrrad sei an einer Bushaltestelle nahe des Sees entdeckt worden. Taucher der Feuerwehr hätten den Mann am Sonntag gegen 13 Uhr neben einem etwa dreimal drei großen Loch unter der Eisdecke gefunden. Der Polizeisprecher warnte vor dem Betreten von Eisflächen auf den brandenburgischen Seen.

Kremmen: Weil sie sich bei eisigen Temperaturen an einer Feuerschale wärmen wollte, wäre eine Frau aus Linumhorst (Landkreis Oberhavel) fast ums Leben gekommen. Die 40-Jährige und ihr 54 Jahre alter Partner hatten sich am Sonnabend in einem Haus aufgehalten, in dem wegen eines Umbaus die Heizung nicht funktioniert, teilte die Polizei gestern mit. Um sich zu wärmen, zündeten sie ein Feuer in einer Schale an. Nach einiger Zeit brach die Frau zusammen und der Mann alarmierte den Rettungsdienst. Ein Hubschrauber brachte sie mit einer Rauchgasvergiftung in eine Spezialklinik. Auch der Mann musste ins Krankenhaus. Die Polizei vermutet, dass das Paar die Ausbreitung des geruchs- und farblosen Kohlenmonoxids nicht bemerkte.

Die Pannenhelfer des ADAC kommen kaum hinterher. Wegen des starken Frostes sind sie im Dauereinsatz. "Wir sind im absoluten Ausnahmezustand", sagte ADAC-Sprecherin Izabela Grzywacz gestern Die bislang kälteste Nacht des Jahres mit durchschnittlich minus 20 Grad Celsius sowie das Ende der Winterferien bescherten den Pannenhelfern allein bis gestern Vormittag 377 Einsätze. Häufigste Ursachen für die liegen gebliebenen Autos waren defekte Batterien und zugefrorene Dieselleitungen.

Usedom: Es geht immer noch kälter: Mecklenburg-Vorpommern hat in der Nacht zum Montag vielerorts neue Kälterekorde erlebt. Die tiefsten Temperaturen wurden mit minus 29,1 Grad auf Usedom und mit minus 28,7 Grad in Ueckermünde am Stettiner Haff gemessen, wie der Deutsche Wetterdienst und der Wetterdienst Meteomedia auf Hiddensee mitteilten. Damit wurden die bisherigen Kälterekorde aus dem Eiswinter 1956 leicht übertroffen. „Nur in den Kriegswintern in den 1940er Jahren dürfte es noch kälter gewesen sein“, sagte Steffen Kreibohm von Meteomedia. Doch darüber gebe es keine Aufzeichnungen. Verantwortlich für die Bibber-Kälte ist ein kleines Hoch über der Ostsee: „Dieter Nr. 2“, das sich vom russischen Hoch „Dieter Nr. 1“ abgespalten habe.

Außenküste: Der extreme Nachtfrost lässt allmählich nun auch die Außenküste gefrieren. Nach Angaben des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie bildeten sich kompakte Eisstreifen vor der Halbinsel Zingst, vor Rügen Usedom und in der Pommerschen Bucht. Seit Montag dürfen nur noch stärker motorisierte Schiffe mit Eisklasse sowie im Konvoi mit Eisbrechern die Häfen Stralsund, Wolgast, Greifswald-Ladebow, Lubmin und Vierow ansteuern.

Ueckermünde: Der arktische Frost setzte viele Autofahrer und Speditionen matt. „Der Fernverkehr läuft, aber sonst hatten wir massive Probleme“, sagte ein Sprecher der Ueckermünder Haff-Trans-Spedition. Vor allem Bagger und Radlader sprangen nicht an, da der Diesel nur bis minus 21 Grad voll leistungsfähig sei. Der ADAC zählte bis zum Mittag 370 Einsätze in Mecklenburg-Vorpommern, viel mehr als sonst. Herkömmlicher Dieselkraftstoff flocke bei Temperaturen unter minus 20 Grad aus, so der Automobilclub.

Deutschland: Die Schifffahrt in Bayern wurde mancherorts komplett eingestellt. Der Main-Donau-Kanal war auf einer Länge von 115 Kilometern gesperrt.

Osteuropa: Allein in Polen stieg die Zahl der Kältetoten seit dem 27. Januar auf 61. In der Ukraine liegt die Zahl der Kälteopfer bei mindestens 135. In Tschechien hält die Gemeinde Kvilda an der Grenze zu Bayern den Kälterekord des Landes: Dort zeigte das Thermometer gestern minus 39,4 Grad.

Auf der Elbe nimmt das Treibeis zu, eine geschlossene Eisdecke ist nicht ausgeschlossen.

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