Kachelmann-Anwalt verteidigt Japke

Geübt im Umgang mit Medien: Promi-Anwalt Johann Schwenndpa
Geübt im Umgang mit Medien: Promi-Anwalt Johann Schwenndpa

Marcus Japke bleibt weiter in Untersuchungshaft. Ein für gestern vorgesehener Haftprüfungstermin ist verschoben worden. Unter anderem wird Kachelmann-Verteidiger Johann Schwenn den Rechtsbeistand für Japke übernehmen.

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20. September 2012, 07:51 Uhr

Rostock | Der wegen des Verdachts des sexuellen Kindesmissbrauchs inhaftierte Radiomoderator Marcus Japke fährt für seine Verteidigung schweres Geschütz auf: Neben dem renommierten Rostocker Rechtsanwalt Norbert Wendorff und dem prominenten Anwalt Peter Michael Diestel wird der bekannte Hamburger Strafverteidiger Johann Schwenn den Rechtsbeistand für Japke übernehmen. Das bestätigte Norbert Wendorff gegenüber unserer Redaktion. Schwenn erklärte am Telefon: "Zu solchen Sachen sage ich grundsätzlich nichts, warten Sie es ab."

Der 64-jährige Schwenn hatte von Ende November 2010 bis Mai 2011 vor dem Landgericht Mannheim den wegen Vergewaltigung angeklagten TV-Wettermoderator Jörg Kachelmann verteidigt. Wegen seiner zahlreichen Anträge hatte er sich während des Prozesses bei einigen Medien den Namen "Nervensäge der deutschen Strafjustiz" eingehandelt. Letztlich blieb er erfolgreich, Kachelmann wurde freigesprochen. Zu Schwenns Mandanten gehörten außerdem der dopingverdächtige Radprofi Jan Ullrich, der oberste Stasi-Spion Markus Wolf, der entführte Millionenerbe Jan Philipp Reemtsma, der Liedermacher Wolf Biermann und die Schauspielerin Barbara Wussow.

Bereits am Wochenende hatte Peter-Michael Diestel gegenüber unserer Redaktion bestätigt, dass er das Mandat für den beschuldigten Radiomoderatoren übernehmen wird. Drei Strafverteidiger sind maximal zugelassen. Der 60-jährige Diestel, der letzter DDR-Innenminister und späterer Präsident des FC Hansa Rostock war, hat seit der Wende ebenfalls viel Prominenz vor Gericht vertreten - beispielsweise den Leichtathletik-Trainer Thomas Springstein und den VW-Betriebsratsvorsitzende Klaus Volkert.

Diestels neuem Mandanten, Marcus Japke, wird von der Rostocker Staatsanwaltschaft vorgeworfen, in den Jahren 2005 und 2006 ein zwölf- beziehungsweise dreizehnjähriges Mädchen sexuell missbraucht zu haben. Von mehr als 50 Einzeltaten ist in diesem Zusammenhang die Rede. Am Dienstag vergangener Woche war der 39-jährige Japke im Rostocker Studio des Privatsenders Ostseewelle verhaftet worden. Seitdem befindet sich der Moderator in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Waldeck. Als Haftgrund gab das Amtsgericht Rostock Wiederholungsgefahr an.

Ein Haftprüfungstermin, der vom Ermittlungsrichter für gestern angesetzt worden war, fand nicht statt. "Nachdem der Termin in der Öffentlichkeit bekannt geworden war, haben wir um eine Verlegung auf einen anderen Tag gebeten", sagte Wendorff. Damit sollte ein Medienrummel wie bei der Verhaftung vermieden werden, so der Anwalt zur Begründung. Denn beim Haftprüfungstermin im Amtsgericht muss Japke anwesend sein. Der Richter entsprach der Bitte des Verteidigers und verlegte den Termin auf einen der nächsten Tage.

Ob der Moderator dann allerdings auf freien Fuß kommt, das ist nach Expertenmeinung fraglich. Verina Speckin, Vorsitzende des Vereins der Strafverteidigerinnen und Strafverteidiger Mecklenburg-Vorpommerns, erklärte gegenüber unserer Redaktion, dass bei dem Verdacht auf Sexualdelikten gegenüber Kindern die Hürden für eine Aufhebung des Strafbefehls allgemein sehr hoch sind. "Da dominiert beim Gesetzgeber der Präventivgedanke", so die Anwältin. Eine Wiederholung ähnlicher Taten durch Beschuldigte soll unbedingt ausgeschlossen werden. Außerdem gehen Juristen bei Sexualdelikten generell von einer Wiederholungsgefahr aus, weil es sich bei den Inhaftierten um Triebtäter handeln könnte.

Ein Haftprüfungstermin kann jederzeit vom Inhaftierten oder seinem Rechtsbeistand beantragt werden, so Anwältin Speckin weiter. Der Ermittlungsrichter muss dann spätestens nach 14 Tagen einen Termin nennen, bei dem ähnlich wie in einer mündlichen Verhandlung Staatsanwaltschaft und Verteidigung die Gründe für und gegen einen Verbleib in der U-Haft vortragen können. Nach der anschließenden richterlichen Entscheidung kann allerdings erst nach drei Monaten erneut ein Haftprüfungstermin beantragt werden.

Moderator Japke selbst schweigt weiter zu den Vorwürfen gegen ihn. Auch sein Anwalt Norbert Wendorff will sich nicht zum Verfahren äußern. Im privaten Umfeld hätte der Radiomann immer wieder seine Unschuld beteuert, erzählten Insider. Freunde suchen Erklärungen und sprachen von einer Intrige eines ehemaligen Mitarbeiters im Radio sender Ostseewelle. Bereits 2008 war eine anonyme Anzeige mit denselben Vorwürfen aus den Jahren 2005 und 2006 bei der Polizei eingegangen, bestätigte sein Anwalt Wendorff. Damals hätte das vermeintliche Opfer die Frage nach Sex-Kontakten allerdings noch verneint.

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