Rügen : Kabel für neue Windparks

Das Spezialschiff „Cable Enterprise“ bei der Arbeit
Das Spezialschiff „Cable Enterprise“ bei der Arbeit

Das Spezialschiff „Cable Enterprise“ verlegt vor Rügen bei Sassnitz eine 25 Kilometer lange Leitung

svz.de von
17. August 2016, 12:00 Uhr

Auf See ist das Tempo meist beschaulich – aber dass dieses Schiff sich überhaupt bewegt, ist mit bloßem Auge gar nicht zu sehen: Gerade mal fünf Meter pro Minute schafft die „Cable Enterprise“ an diesem Dienstag, und das ist auch schon Höchstgeschwindigkeit beim Kabellegen. In diesem Tempo senkt sich das Kabel vom Heck des Schiffes in die Ostsee, um in 37 Metern Tiefe in den Grund der Ostsee einzusinken.

Während sich rund 30 Kilometer entfernt auf Rügen die Touristen über den Regen ärgern, kann Kapitän Vincenzo Paturzo froh sein über das Wetter: Kaum Wind, kaum Seegang - das sind Idealbedingungen für den Kabelleger. Regen spielt keine Rolle.

Die aktuelle Mission des 124 Meter langen Spezialschiffs unter britischer Flagge und seiner 69-köpfigen Besatzung: Verlegung des ersten Strangs des Stromkabels „Ostwind 1“ zum Anschluss der beiden Offshore-Windparks „Wikinger“ und „Arkona“ im Seegebiet Adlergrund, nordöstlich von Rügen. 90 Kilometer lang ist die Strecke, Anlandepunkt auf dem Festpland ist Lubmin am Greifswalder Bodden.

Bauherr des Projekts ist der Netzbetreiber 50Hertz, der gestern auf einer Ausfahrt über das Projekt informierte.

Seit Sonntag ist die „Cable Enterprise“ damit beschäftigt, das Kabel auf seinem Schlussabschnitt zu verlegen, von Kilometer 66 bis 90. Die Kilometer 39 bis 66 liegen bereits seit Juni am Meeresgrund. Die ersten beiden Abschnitte sollen in Kürze folgen. Auf dem Deck dreht sich seit Sonntag unablässig der blaue Stahlkorb, in dem das 28,6 Kilometer lange Kabel-Teilstück aufgerollt ist. 3688 Tonnen wog das Kabel im Korb, bevor es losging – inzwischen ist bereits rund ein Viertel davon im Meer versenkt.

Und gerade läuft es nicht nur buchstäblich wie am Schnürchen, sagt Projektleiter Wolfgang Thießen vom Bauherrn 50Hertz: „Wir kommen wirklich gut voran.“ Bis Ende August wollen sie fertig sein mit diesem Abschnitt, wenn das Wetter weiter mitspielt und sich sonst keine Unwägbarkeiten auf dem Meeresgrund auftun. Derzeit hoffen sie etwa, dass das Kabel nicht zu tief in den Meeresboden einsinkt, der auf dem aktuellen Teilstück sehr weich ist. An anderen Stellen ist er wiederum so hart, dass das Kabel in den Grund eingefräst werden muss.

Denn laut Vorschrift muss es eine Legetiefe von mindestens 1,50 Metern haben.

In mehreren Durchläufen ist der Meeresboden in den vergangenen Jahren auf das Kabel vorbereitet worden: Zunächst musste die Strecke von alter Munition befreit werden. Es gab rund 3500 Verdachtspunkte, mehrere Wasserbomben und Seeminen mussten gesprengt und etliche weitere Munitionsreste geborgen werden. Danach folgten genauere Untersuchungen der Bodenbeschaffenheit. Zum Schluss wurde die Verlegung des Kabels bei einem sogenannten „Pre Lay Run“ auf der kompletten Strecke simuliert. Im Flachwasser-Abschnitt, von Kilometer 0 bis 39 im Greifswalder Bodden, soll im September die Verlegung beginnen. Dort ist das Wasser so flach, dass das Kabel von einem Ponton aus verlegt wird. An Land, wo das Kabel vom Ufer bis zum Umspannwerk noch drei Kilometer zurücklegen muss, sind die Bauarbeiten sogar fast abgeschlossen.

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