Workaholics : (K)Ein Paradies für Hasen

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In MV gibt es 67 500 Feldhasen – damit ist ein Osterhase für 24 Einwohner zuständig

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26. März 2016, 16:00 Uhr

Am Sonntag ist es wieder soweit: Vielerorts werden Ostereier gesucht. Wer die versteckt, weiß jedes Kind. Nämlich der Osterhase. Als Symbol für Furchtbarkeit wird der (Feld-)Hase schon seit Jahrhunderten mit dem Frühling in Verbindung gebracht. Und als Überbringer der Eier gefeiert.

Bundesweit hat sich der Bestand an Feldhasen unterschiedlich entwickelt. Während im Westen und Süden Deutschlands durchschnittlich 15 Hasen pro Quadratkilometer über die Felder hoppeln, sind es im Nordosten viel weniger. Laut Zählungen des Deutschen Jagdverbandes kommen in MV um die fünf Langohren auf einen Quadratkilometer – insgesamt leben hier etwa 67  500 Feldhasen. Das entspricht einem echten Osterhasen je 24 Einwohner. Auch in Brandenburg wurden pro Quadratkilometer fünf Feldhasen gezählt.

„Der niedrige Bestand hängt mit unserer landwirtschaftlichen Struktur zusammen“, erläutert Rainer Pirzkall vom Landesjagdverband MV. Im Nordosten gibt es viele große, zusammenhängende Felder. Dadurch fehlen Ackerrandstreifen. „Hier leben Feldhasen normalerweise, sie geben den Tieren Deckung und Wildkräuter als Nahrung“, so Pirzkall. Hier bringen sie auch ihre Jungen geschützt zur Welt. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft und einem Trend hin zu Monokulturen, wird der Lebensraum für Feldhasen jedoch immer knapper.

Aber nicht nur die Landwirtschaft macht Meister Lampe zu schaffen. Natürliche Fressfeinde wie Füchse, Waschbären und Beutegreifer machen ihm das Leben schwer. „Wir haben manchmal Jahrgänge, in denen fast 100 Prozent des Nachwuchses gefressen wird“, sagt Rainer Pirzkall. Dennoch stellt er heraus: „Der Bestand an Feldhasen ist bei uns in den letzten zehn Jahren nahezu gleichbleibend – wenn auch auf niedrigem Niveau.“

Trotz allem entwickelt sich die Population in manchen Regionen im Nordosten prächtig. „Ich glaube, wir wissen, wo der Osterhase wohnt“, sagt Tino Ernstling vom Landesjagdverband Brandenburg. Seiner Ansicht nach im Lehrrevier Groß Kreutz (Landkreis Brandenburg-Mittelmark). Denn auf den Feldern und Wiesen in Groß Kreutz wurden im vergangenen Herbst 19 Feldhasen pro Quadratkilometer gezählt – ein bundesweit überdurchschnittliches Ergebnis. Die Langohren fühlen sich Dank des Engagements der hiesigen Jäger pudelwohl. „Wir haben seit 1991 die Lebensraumgestaltung im Lehrrevier speziell auf die ernährungsphysiologischen Bedingungen der Feldhasen ausgerichtet und eiweißreiche Wildkräutermischungen ausgebracht“, so Wildmeister Klaus Mordhorst, Sprecher der Jägerschaft Groß Kreutz.

Doch auch in MV fühlt sich unser Osterhase mancherorts zuhause. So kümmert sich etwa die Hamburger Wildtier Stiftung bei Schwichtenberg (Mecklenburgische Seenplatte) unweit des Gutes Klepelshagen um ein Hasen-Paradies. Hier finden Feldhasen auf rund 220 Hektar mit vielen Acker- und Grünflächen beste Lebensbedingungen.

Der Osterhase ist ein Einzelgänger.

Er lebt nicht im Familienbund. Eine Hasenfamilie, die gemeinsam Möhren knabbert, gibt es nicht!

Osterhasen sind nicht treu.

Junghasen aus einem Wurf können mehrere Väter haben, denn eine Häsin hat mehrere  Verehrer mit denen sie sich  auch mehrmals  paart. Somit kann sie auch von mehr als einem Hasen trächtig sein und mehrere Embryonen in  unterschiedlichen Entwicklungsstadien entwickeln, man nennt es Superfötation.

Warum bringt der Hase die Eier?

1682 wurde zum ersten Mal ein brütender Osterhase urkundlich erwähnt. Der Hase galt in germanischen Kulturen  als Sinnbild der Fruchtbarkeit und Leben.

Wie viele Schokohasen werden jährlich produziert?

Rund 213 Millionen Exemplare stellt die deutsche Süßwarenindustrie jährlich her. 40 Prozent davon  gehen in den Export – überwiegend nach Frankreich, Österreich, Tschechien und Polen, die USA und nach Australien.

Häsinnen sind auch besorgte Mütter.

Sie lassen  ihren Nachwuchs tagsüber unbeaufsichtigt und säugen ihn erst in der Dunkelheit, um nicht die Aufmerksamkeit von Fressfeinden zu erregen.

Osterhasen sind sesshafte Wesen.

Sie verbringen ihr ganzes Leben auf einer Fläche von etwa 30 Hektar an einem Standort. Mit etwas Glück werden sie bis zu sieben Jahre alt.

Der Osterhase ist ein Sprint-Star.

Bei einer Olympiade  hätte er gute Chancen. Er erreicht über kurze Distanzen beachtliche Geschwindigkeiten von etwa 70 Kilometern pro Stunde. Für einen 100-Meter-Lauf brauchte er damit  5,143 Sekunden – Weltrekord!   Allerdings schlägt der  Hase gerne Haken, um seine Feinde abzuschütteln, daher ist es unwahrscheinlich, dass er auf direktem Weg  ans Ziel kommt.

Ein lebensgroßer Schokohase hätte über 20 000 Kilokalorien.

Bei einer Körpergröße von 60 Zentimetern bringt ein ausgewachsener Hase etwa vier Kilogramm auf die Wage. Das entspricht etwa 40 üblichen Schokohasen

Osterhasen mögen keine Eier.

Obwohl sie in direkter Nachbarschaft etwa zur am Boden brütenden Feldlerche leben, vergreifen sie sich nicht an deren Eiern: Feldhasen sind strenge Vegetarier. Statt Eier und Fleisch mögen sie vor allem Wildkräuter.

Hasen sind Springmeister

Sie haben extrem starke Oberschenkelmuskeln. Aus dem Stand können sie bis zu drei Meter weit und bis zu einem Meter hoch springen.

Hasenherzen schlagen schneller

Ein durchschnittliches Hasenherz schlägt zwischen 130 und 325 mal pro Minute. Zum Vergleich: Ein gesundes menschliches Herz schlägt zwischen 60 und 100 mal pro Minute.

Der Osterhase kann sich nicht übergeben

Für Hasen  ist es physiologisch nicht möglich sich zu übergeben. Ihr Magen hat  kaum Muskulatur, eine ganz spezielle Bakterienflora hilft ihnen beim Verdauen.

 
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