Justiz MV : Justizpersonal überaltert – Engpässe drohen

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Hälfte der Richter und Staatsanwälte geht in den nächsten 13 Jahren in Pension

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10. Dezember 2016, 08:00 Uhr

Der Justiz Mecklenburg-Vorpommerns drohen leere Richterbänke. Denn die Richterschaft des Landes ist überaltert, viele gehen in den nächsten Jahren in Pension. Wie das Justizministerium auf Nachfrage unserer Redaktion mitteilte, beträgt das Durchschnittsalter bei Richtern inzwischen 52 Jahre. Bei Staatsanwälten sieht es nicht viel besser aus – 51 Jahre.

Lediglich 50 der insgesamt 630 Richter und Staatsanwälte im Land sind jünger als 40 Jahre. Dagegen sind 350 Richter und Staatsanwälte bereits über 50 Jahre alt.

Die Folgen sind dramatisch: In einer Auflistung des Richterbundes heißt es, dass in den kommenden acht Jahren jeder vierte Richter in den Ruhestand gehen wird. In den nächsten 13 Jahren wird sogar die Hälfte aller Richter und Staatsanwälte aus Altersgründen die Justiz verlassen haben.

Probleme mit der Altersstruktur an den Gerichten haben alle ostdeutschen Bundesländer. Mit der Einheit wurden viele DDR-Richter entlassen und für die meisten freien Stellen wurden junge Absolventen geholt. Damit waren diese Stellen aber über Jahrzehnte besetzt und Neueinstellungen eher selten.

Den anstehenden Generationswechsel bezeichnete Justizministerin Katy Hoffmeister (CDU) als eine der „größten Herausforderungen der kommenden Jahre“.

Der Richterbund hat den Bedarf bereits ausgerechnet. „Das bedeutet konkret, dass innerhalb der nächsten neun Jahre etwa 150 Proberichter und innerhalb der nächsten 14 Jahre sogar 300 Proberichter eingestellt werden müssen“, so der Richterbund.

Doch die Absolventenzahlen sind rückläufig. Belegten im Jahr 2004 noch 770 Studenten in Mecklenburg- Vorpommern das Fach Rechtswissenschaften mit dem Abschluss Staatsexamen, so waren es 2015 mit 380 Studierenden nur noch die Hälfte.

Im Vorbereitungsdienst sieht es ähnlich aus: Wurden 2011 noch 64 Referendare eingestellt, waren es vor einem Jahr nur noch 17.

Dass im Dezember dieses Jahres 26 Referendare eingestellt werden konnten, wertete die Justizministerin als einen „ersten Erfolg“ verschiedener Werbekampagnen ihres Ministeriums, die vor einem halben Jahr bundesweit gestartet wurden.

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