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Weinlese in MV : Jungfrauenlese und Hochzeitsshow

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

14000 Liter Wein aus Mecklenburg-Vorpommern: Nach Frost, Mehltau und Vogelfraß gibt es am Schloss Rattey einen Neuanfang

svz.de von
erstellt am 11.Okt.2014 | 15:36 Uhr

Auf den ersten Blick erscheint Rattey (Kreis Mecklenburgische Seenplatte) als ein normales norddeutsches Dorf. Am Eingang steht ein Maissilo, Pferde grasen – doch eines ist anders: Tausende Weinstöcke dominieren die hügelige Landschaft um das Schloss. Seit 15 Jahren werden Weintrauben im Weinbaugebiet „Stargarder Land“ angebaut, erklärt Oenologe und Weingutleiter Stefan Schmidt. Nach schweren Jahren, bei denen wie an Saale und Unstrut Fröste, Mehltau und Vogelfraß den Reben zusetzten, hat das Weingut einen Neustart gewagt. Von sieben Rebsorten wurden fünf gerodet und drei neue Sorten angebaut. Damit soll auch die Weinvielfalt steigen.

Der Wein und viele Hochzeiten haben das Gut unweit der Autobahn 20 bereits bundesweit bekanntgemacht. „Gerade war ein Fernsehsender hier und hat für eine Hochzeitsshow bei uns gedreht“, erläutert Hardy Eitner, Leiter des Schlosshotels Rattey. Es verfügt über ein eigenes Standesamt, die Kirche steht in der Nachbarschaft. Dazu kommen viele Prominente, wie Schlagersänger Bernhard Brink, Ireen Sheer oder Sportler wie Sonja Kesselschläger, die auch hier heiratete.

„Ohne Wein wären wir ein Gut, wie Hunderte andere“, sagt der Hotelchef. „Wir wollen, dass Köche künftig ganze Menüs mit unseren Weinen begleiten können“, erzählt Schmidt. Der erfahrene 58-Jährige wurde vor einem Jahr vom Eigentümer des Gutes, dem Bremer Anwalt Karsten Förster, geholt. Seitdem wurden mehrere 10 000 Euro in neue Pflanzen, neue Technik und kilometerlange blaue Netze investiert, die die Schwärme von Staren, Wespen und sogar den Regen von den Trauben fernhalten. „Wir sind zusammen mit dem Verein der Privatwinzer fast durch mit der Ernte und für dieses Jahr zufrieden“, sagt Schmidt. Von den 20 000 Rebstöcken entfällt je die Hälfte auf die roten „Regent“ und „Rondo“, deren Lese gerade läuft, und die weißen „Phönix“ und „Solaris“-Trauben, bei denen es diesmal die „Jungfrauenlese“ gab. „Wir hoffen auf rund 14 000 Liter Wein“, erläutert der Experte. Da erst 2013 die letzten Felder gerodet und „neu aufgerebt“ wurden, erwarten die Ratteyer die maximale Ausbeute erst ab 2016: bis 40 000 Liter Wein.

„Gab es früher nur zwei trockene Sorten Landwein, stellen wir nun bis zu sieben Sorten her“, sagt Schmidt. Die Palette reicht von Trocken, Halbtrocken und Rose bis zu Weinen, die in Eichenfässern lagern. „Der Sommer 2014 war zwar touristisch super, aber für die Trauben nicht gut“, bilanziert Schmidt. Das sei aber auch in Italien, Österreich und Frankreich so gewesen. Im Frühsommer, als die Trauben wachsen mussten, sei es zu trocken, später zur Reife zu nass gewesen.

Insgesamt 15 Leute sind beim Hotel und Weingut angestellt, das fünf Hektar umfasst, davon 4,5 Hektar in Rattay und 0,5 in Burg Stargard. Ohne Verein würde man das aber nicht schaffen, heißt es. Kleinere Weinberge gibt es auch bei Loddin, Lodmannshagen und Loitz, in Pasenow und bei Kühlungsborn, erklärt Schmidt, der dazu ein Buch geschrieben hat. Diese hätten jedoch nur den Status als Vereine, die Wein nicht offiziell handeln dürften. Dabei sei Wein eine „Urfrucht der Menschheit“, deshalb sollte ihn jeder anbauen dürfen, sinniert der Experte, um sich dann wieder an die Arbeit zu machen: Trauben müssen gepresst, Saft in Tanks gefüllt und Flaschen ausgeliefert werden. Im Dezember haben sich Eitner und Schmidt einen Abend vorgemerkt, da wollen sie die Hochzeitsshow im TV sehen.

 

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