Rügen Fisch : Junge Konsumenten fischen

Mitarbeiterinnen legen in der Rügen Fisch AG Heringsfilets zur Weiterverarbeitung auf ein Transportband. Fotos: Jens Büttner
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Mitarbeiterinnen legen in der Rügen Fisch AG Heringsfilets zur Weiterverarbeitung auf ein Transportband.

Seit kurzem ist der Konservenhersteller Thai Union Mehrheitseigner bei Rügen Fisch. Für beide Firmen soll der Deal Vorteile bringen. Rügen Fisch tastet sich an das Thema Thunfisch und jüngere Konsumenten heran.

svz.de von
09. März 2016, 08:00 Uhr

Die Rügen Fisch AG in Sassnitz könnte mit ihren jährlich produzierten Fischkonserven eine Dosenkette vom Werkstor bis hinter Los Angeles legen. 70 Millionen Dosen mit Makrelenfilet in Tomatencreme, Hering in Curry-Ananas-Soße, Scomber-Mix und anderen Sorten verlassen pro Jahr das Werk an der Ostsee. Das Unternehmen mit weiteren Werken in Lübeck, Rostock und in Litauen ist Deutschlands Marktführer bei Fischkonserven und schickt sich nun an, die imaginäre Blechkette um weitere Kilometer zu verlängern.

Anfang Februar – nach Zustimmung durch das Bundeskartellamt – übernahm der große asiatische Fischverarbeiter Thai Union nach eigenen Angaben für 42,2 Millionen Euro 51 Prozent der Anteile an der AG, die neben der Marke Rügen Fisch auch die Marken Hawesta, Lysell, Ostsee Fisch und Leckermäulchen produziert. Vorstand Andrew Bergmann spricht von einer strategischen Partnerschaft und einer „Win-Win-Situation“.

Während die Rügen Fisch AG die Thailänder als Türöffner für ihre Produkte zu bislang unerschlossenen Märkten in Europa und den USA betrachtet, könnte sich Thai Union anschicken, mit Konserven den Thunfisch-Markt in Deutschland zu erobern. Der liegt bislang nahezu unangefochten in der Hand des französischen Marktriesen Saupiquet. Einen Monat nach der Übernahme durch die Asiaten reifen in der Sassnitzer Firmenzentrale dazu die ersten Ideen. Thunfisch stehe für ein modernes, junges Produkt, während der Hering eher das klassische Abendbrot repräsentiere, sagt Bergmann.

Fest steht wohl, dass Thai Union, Weltmarktführer im Bereich Thunfischkonserven, seine Marke John West vom deutschen Markt nehmen wird. Diese Vereinbarung sei Teil der Verhandlungen gewesen, sagt Bergmann. Die Asiaten hatten mit der Marke in den vergangenen beiden Jahren vergeblich versucht, sich mit Thunfisch im deutschen Markt zu positionieren.

Mit einem Marktanteil von 12,5 Prozent im Jahr 2014 ist Thun nach Angaben des Fisch-Informationszentrums die viertbeliebteste Fischart nach Alaska-Seelachs (22,9 Prozent), Lachs (18,7) und Hering (14,5).

Den Prozess, Thun in die Dose zu bringen, geht Rügen Fisch behutsam an. Bergmann spricht von einem Antasten. „Wir müssen zunächst die Rohware Thunfisch so gut kennenlernen, wie wir die Rohware Hering kennen.“ Jährlich verarbeitet Rügen Fisch rund 20 000 Tonnen Hering, 3000 Tonnen Makrele und bis zu 1500 Tonnen Lachs.

Rügen Fisch hat laut einer Markenstudie des Instituts für angewandte Marketing- und Kommunikationsforschung, die im Auftrag von MDR-Werbung erstellt wurde, eine Bekanntheit von bundesweit 38,2 Prozent (im Osten 50,7 Prozent).

Doch die Fischkonserven-Kundschaft droht zu veralten. Während sieben von zehn Deutschen über 50 Jahre laut Studie Rügen Fisch kennen, sind es bei den unter 29-Jährigen nur 20 Prozent. Thun könnte das Jugendproblem lösen.

Die Umweltorganisation Greenpeace hatte die Übernahme von Rügen Fisch durch die Thailänder scharf kritisiert. Thai Union stehe für Sklavenarbeit auf Schiffen und zerstörerische Fangmethoden, lauteten die Vorwürfe. Die Asiaten hatten Ende 2015 unter Druck von Regierung und NGOs mehr Transparenz und bessere Arbeitsbedingungen angekündigt.

Bergmann nimmt die Kritik ernst. Ein Thunfisch, der unter menschenrechtsverletzenden Bedingungen und nicht nachhaltig produziert ist, wäre in Deutschland nicht vermarktbar, sagt er. „Wir haben einen Qualitätsanspruch in Sachen Nachhaltigkeit und Transparenz und haben konsequent auf das Thema MSC gesetzt. Diesem Anspruch bleiben wir treu.“ Das Ökosiegel des Marine Stewardship Council (MSC), das auf allen Heringsprodukten von Rügen Fisch zu finden ist, attestiert eine nachhaltige, umweltschonende Fischerei. Möglich sei, dass nur MSC-zertifizierter Thun verarbeitet werde, sagt der Vorstand.

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