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Mecklenburg-Vorpommern

23. November 2017 | 05:02 Uhr

Festspiele MV : Jungbrunnen Alte Musik

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Anregung der Sinne im „Salon Barock“ bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern

svz.de von
erstellt am 12.Sep.2016 | 12:00 Uhr

Virtuose Figurationen der Solovioline, straffer Rhythmus, kräftige Klangfarben des Ensembles. Fulminante Spiellust. Barock füllt sie den gotisch-asketischen Riesenraum. Johann Sebastian Bachs Violinkonzert a-Moll glitzert im Schweriner Dom. Anregung der Sinne durch die Akademie für Alte Musik Berlin, von Konzertmeister Georg Kallweit stringent angeführt. Zu dieser Stunde ist kaum zu verstehen, dass die Werke des Komponisten nach seinem Tod 1750 jahrzehntelang in Vergessenheit gerieten.

Erst mit der Wiederaufführung der Matthäus-Passion unter Leitung von Felix Mendelssohn-Bartholdy begann 1829 die Bach-Renaissance. Bachs Werke werden wie die von Händel, Telemann, Vivaldi heute Alte Musik genannt, und die ist längst ein Jungbrunnen, der weltweit den klassischen Konzertbetrieb erfrischt. Mit stilgerechten, von Romantik erlösten Aufführungen auf dem Instrumentarium der Entstehungszeit oder Nachbauten sowie „historisch informiert“ über Spiel-Anweisungen für Artikulation, Dynamik, Phrasierung, Tempo.

Musikalisch, gewissermaßen, lässt sich die Zeit zurückdrehen. Ein lebendiges Panorama der Klang-Historie präsentierte die international musizierende Akademie mit ihrem „Salon Barock“ bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern. In insgesamt sieben Konzerten in Schlössern und Kirchen in Schwerin, Güstrow und Ludwigslust. Mit Einführung, Gesprächsrunde, Orchesterkonzert und Notturno bei Kerzenschein, wo Sonaten von Biber den Ton angaben.

Im Dom perlt Bachs Brandenburgisches Konzert Nr.4 mit Energie und Drive, sprüht im Wettstreit zwischen Geige und zwei Flöten. Daneben ist auch Georg Philipp Telemann ein Meister. Seinem exzellent geblasenen Konzert D-Dur für drei Hörner fügt der sakrale Raum gleichsam himmlischen Hall bei. Das Konzert d-Moll für zwei Oboen wird so galant gespielt, dass einem Ballett vor Augen kommt. Delikat ein aus der berühmten Tafelmusik arrangiertes Konzert, graziös tänzelnd, sozusagen gehäkelt mit Harfe und Mandoline und geklöppelt mit dem Hackbrett. Zu solcher Musik ist einst - Kopfschütteln - getafelt und geschwatzt worden; das soll Historie bleiben, muss, die Muse Polyhymnia sei vor, nicht mehr aufgeführt werden.

Die Intensität, mit der die Akademie Barockmusik funkeln lässt, ist sogar zu sehen. Sie bewegt die Interpreten körperlich, der Konzertmeister folgt manchem Notenlauf auf den Zehenspitzen. Pulsierender Genuss am Spiel. Shakespeares Liebhaber Lorenzo zu Renaissance-Zeiten in Venedig warnt vor dem Mann, der „nicht Musik hat in sich selbst.“ Das Gegenteil waltet in der Akademie: Alle haben sie voll in sich. Bravorufe und Begeisterungspfiffe in der Kirche!

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