Greifswald : Jugger – der Kampf der Besten

Jugger ist eine Mischung aus American-Football und Gladiatorenkämpfen – und wird immer beliebter.
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Jugger ist eine Mischung aus American-Football und Gladiatorenkämpfen – und wird immer beliebter.

Diese Trendsportart kommt martialisch daher, ist aber ungefährlich – in Greifswald wird sie gespielt, mit Pompfe und Jugg

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05. September 2015, 16:00 Uhr

Moritz Cordes’ Herz schlägt inzwischen schneller als die Trommel, die den Beginn des Spiels ankündigt. Neben ihm stehen seine Mitstreiter aufgereiht. Als der Ruf „3, 2, 1 – Jugger!“ ertönt, übernimmt das Adrenalin. Mit einer Lanze in den Händen stürzt der 31-Jährige über das Feld, direkt auf seinen Gegner zu. Einen stämmigen Mann mit Schultern breit wie eine Schrankwand. Seine Waffe ist eine 3,20 Meter lange Kette mit Kugel am Ende. Der Kampf dauert nur wenige Sekunden. Sein Gegner sieht den Angriff voraus, wehrt ihn ab und schleudert die Kette nach Moritz. Er wird an der Schulter getroffen und geht zu Boden.

Unter realen Bedingungen wäre dies wohl das Ende des Greifswalders gewesen. Glücklicherweise handelt es sich aber nur um ein Spiel. Moritz muss nur einige Trommelschläge auf dem Boden knien, bevor er sich wieder in den Kampf stürzt. Indes hat einer seiner Teamkollegen die Kette des Hünen abgeschlagen. Diese Runde haben er und „Die Leere Menge“ – das von ihm gegründete Jugger-Team in Greifswald – gewonnen, doch das war nur Training. Viel davon war nötig, denn ab heute messen sie sich wieder mit der Elite aus ganz Deutschland.

Jugger ist inzwischen eine anerkannte Sportart und findet nicht nur bundesweit, sondern auch international Anklang. Dabei ist die Mischung aus American-Football und Gladiatorenkämpfen weit weniger grob und martialisch als es zunächst den Anschein macht. Alle „Waffen“ – man nennt sie Pompfen– sind aus Kunststoff und Schaum gefertigt. Es kommt daher kaum zu größeren Verletzungen als einem blauen Fleck.

Die Idee des Spiels stammt aus dem post-apokalyptischen Endzeitfilm „Die Jugger – Kampf der Besten“ von 1989. Darin kämpfen die Gladiatoren des 23. Jahrhunderts um Ruhm, Ehre und die Gunst der letzten Herrscher.

Das erste belegbare Jugger-Spiel fand bereits 1993 statt, die erste deutsche Meisterschaft folgte 1998. Seitdem erfreut sich die Sportart immer größerer Beliebtheit, vor allem an Universitäten.

Moritz Cordes sagt: „Ich hatte den Film schon vor langer Zeit gesehen, war mir aber nicht bewusst, dass es das Spiel aus dem Film auch als Sport gibt.“ Sein Cousin entdeckte 2010 Jugger im Stadtpark von Halle und spielte gleich mit. Inzwischen ist auch Moritz seit fünf Jahren begeisterter Jugger und hat – nach einiger Motivation durch seinen Cousin – sein eigenes Team gegründet: „Die leere Menge“.

„An Jugger fasziniert mich, dass es nicht einen Spielmittelpunkt gibt, sondern gleichzeitig an bis zu fünf Stellen auf dem Spielfeld etwas passiert. Jeder hat immer etwas zu tun. Daher sieht Jugger zuerst sehr kompliziert oder sogar chaotisch aus“, sagt er. Das Spielprinzip ist jedoch schnell erklärt und damit die anfängliche Verwirrung beseitigt. „Inzwischen gibt es 30 bis 40 aktive Jugger in Greifswald.“ An diesem Wochenende wollen Moritz und „Die Leere Menge“ sich bei den Playoffs der German Jugger League gegen die starke Konkurrenz durchsetzen. Bei diesen Ausscheidungsrunden in Berlin wird jeder Platz ausgespielt.

„Das Playoff ist vielleicht das prestigeträchtigste Turnier dieses Jahres, weil man sich erstmals regional qualifizieren musste, um teilnehmen zu können. Jetzt kommen 24 der bundesweit besten Teams in hervorragenden Aufstellungen“, sagt Moritz. Einige Turniere konnte sein Team bereits für sich entscheiden, am namhaftesten das Hamburger Turnier 2013 – seit 1995 der älteste Jugger-Wettkampf weltweit.

Die Sportart folgt einem eher eigenwilligen Vokabular. Interessierte sollten sich vom Endzeit-Image aber nicht schrecken lassen. Denn die Jugger haben gute Manieren.

Am 5. und 6. September (je ab 11 Uhr) kämpfen die Jugger auf dem Gelände der Turngemeinde Berlin (Columbiadamm 111 ) um den Meistertitel.

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