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Mecklenburg-Vorpommern

19. November 2017 | 04:23 Uhr

Warin : Jugendstilvilla erhält Charme zurück

vom

Christian Mohnke mag den Charakter alter Häuser, die einen gewissen Charme ausstrahlen, wie er sagt. Im vergangenen Jahr hat er die Jugendstilvilla in der Mühlenbruchstraße/Ecke Brüeler Straße erworben.

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erstellt am 16.Apr.2012 | 10:06 Uhr

Christian Mohnke mag den Charakter alter Häuser, die einen gewissen Charme ausstrahlen, wie er sagt. Im vergangenen Jahr hat er die Jugendstilvilla in der Wariner Mühlenbruchstraße/Ecke Brüeler Straße erworben. Das Haus wurde 1911 von Johannes Junge für eine seiner Töchter erbaut. Der Maurermeister und Architekt hinterließ seine Bauhandschrift noch ein zweites Mal in Warin – wenige Meter weiter auf der gegenüberliegenden Straßenseite, wo er eine Villa für eine weitere Tochter erbaut hat.

Die Jugendstilvilla steht heute unter Denkmalschutz. 1994 hatte die Voreigentümerin sie ausreichend saniert. Drei Wohnungen befinden sich im Haus, eine wird bereits von Mietern bewohnt. Das Untergeschoss nutzt Christian Mohnke für sich und seine Familie. Er ist vom Bahnhofsgebäude umgezogen. Das steht gleich nebenan und grenzt an das Grundstück der Jugendstilvilla.
Das Bahnhofsgebäude hat der aus Blankenberg stammende Postzusteller ebenfalls saniert und fünf Jahre in der zurechtgemachten Empfangshalle gewohnt. Und damit vis-á-vis der dahinsiechenden Villa. „Acht bis zehn Jahre stand die Villa leer. Einige Türen und Fenster im Haus und im Stall waren dem Vandalismus zum Opfer gefallen. Das Gebäude hatte es mir angetan“, sagt der 32-Jährige.

Im Inneren hat Christian Mohnke bereits Holztüren restauriert, Tapeten und Putz erneuert. Der Stuck an den Zimmerdecken, die eine Höhe von 3,20 Meter haben, sind erhalten. Besonders gefällt ihm das Kastenmuster im Kinderzimmer. Aufgrund eines Wasserschadens musste in drei Räumen der Fußboden und in zwei Räumen die Zimmerdecke erneuert werden. Weil die Villa verkauft werden sollte, hatte die Vorbesitzerin glücklicherweise die Heizungen auf kleiner Stufe angelassen, so dass das Haus von innen trocken war.

„Jetzt bin ich dabei, die Außenfassade zu sanieren. Der alte Dachkasten, Fensterbänke und der ockerfarbene Putz von 1911 werden dem Haus sein Äußeres wiedergeben“, zeigt er sich sicher. Mohnke verwendet nur biologische Baustoffe wie Lehmputz und Kalkfarben. „Für die Gesundheit ist mir nichts zu Schade. Das Haus ist isoliert, das Mauerwerk braucht Luft, über den Kalkputz wird es entlüftet. Das ist zwar alles etwas kostspieliger, aber es soll ja auch halten“, begründet er. Für die Außengestaltung gibt es Fördermittel von der Stadt Warin.

Auch das Hartdach, das in Biberschwanzweise gedeckt ist, ist noch Original erhalten und brauchte nur geflickt zu werden. Das hat eine Dachdeckerfirma erledigt, wie die Erneuerung der Dachkehlen. Auch den Außenputz wird eine Firma übernehmen. Ansonsten arbeitet Christian Mohnke alles alleine auf. Nach Feierabend, an Wochenenden und freien Tagen. Das handwerkliche Geschick dafür hat er von seinem Großvater geerbt. Dieser hilft auch heute noch bei filigranen Arbeiten mit. Wie überhaupt die Familie am Erhalt der Villa interessiert ist. Während Bruder und Stiefvater beispielsweise das Hausgerüst über ihre Firma aufbauten, erledigt seine Mutter die schriftlichen und behördlichen Arbeiten.

Christian Mohnke hat sich im Stall eine Werkstatt eingerichtet. Hier hat er auch die Stalltüren nach Originalen wieder aufgebaut und dafür die alten Beschläge verwendet. Er zeigt ein etwas verblichenes Holzschild mit dem Namenszug des Erbauers, das er noch aufarbeiten und an einer Stalltür anbringen wird. Leider haben durch den Lkw-Verkehr die Fugen der Haus- und Stallwände Schaden genommen. Deshalb kratzt der Bauherr die Fugen komplett aus. Eine Stahlbewährung wird eingesetzt und die Risse neu verputzt – mit Material, an dem der Putz auch halten wird. Etwas Leid tut es ihm um die Terrasse mit Säulen, die im Zuge der Renovierung wegen der Drainageverlegung weichen musste. Die Hausterrasse wird er aber wieder aufbauen, nach alten Fotos, die ihm der Enkel von Johannes Junge, Peter Nieswandt, geliehen hat. Darauf ist ein Rosenspalier um das Haus zu sehen, das auch Mohnke wieder errichten will. Der Obstgarten ist noch erhalten und wird wieder belebt. Dafür ist Partnerin Katja Trosiener zuständig.

Das Haus wurde übrigens auf Pfähle gestellt, wegen des hohen Grundwasserspiegels, erzählt der 32-Jährige. Installierte Pumpen im Haus sorgen dafür, dass das Wasser nicht in den Keller steigen kann.
Bis zum Sommer will Christian Mohnke mit der Sanierung fertig sein. Dann fallen auch die Abdeckplane und das Baugerüst. Der junge Mann sucht nun noch dringend alte Fotos, die das Haus zeigen. Wenn jemand damit helfen kann und bei ihm einschaut, würde er sich sehr freuen. Meistens ist er ab 18 Uhr in der Villa zu erreichen.

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