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Ablehnung : Jugendring gegen Pflicht-Ganztagsschule

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Längst nicht alle Jugendlichen wollen von morgens bis spätnachmittags in der Schule betreut werden

Die von der Landesregierung angestrebten gebundenen Ganztagsschulen in ganz Mecklenburg-Vorpommern stoßen bei vielen Jugendlichen und Jugendorganisationen auf Ablehnung. Gebundene Ganztagsschule bedeute, dass die Kinder den ganzen Tag in der Schule verbringen müssen, sagte der Geschäftsführer des Landesjugendringes, Friedhelm Heibrock. Nach dem Unterricht müssten sie die Freizeitangebote von der Schule nutzen, auch wenn diese vielleicht gar nicht ihren Neigungen entsprechen.

Gebundene Ganztagsschule bedeute schlicht eine Verlängerung des Schulalltags, kritisierte Heibrock. „Junge Menschen brauchen aber auch Räume, die nicht auf dem Schulgelände seien und Angebote, die sich außerhalb ihres verschulten Alltags abspielten.“ Viele Jugendorganisationen berichteten, dass sich ihre Jugendarbeit zunehmend auf das Wochenende verlagere, weil die Jugendlichen in der Woche wegen des langen Ganztagsschultages keine Zeit mehr hätten. Der Landesjugendring habe zu dem Thema bereits Kontakt zum Bildungsministerium aufgenommen. Dort sei aber sehr zurückhaltend reagiert worden, bedauerte Heibrock. Er schlug offene Ganztagsschulen vor, deren Nachmittagsangebote genutzt werden könnten, aber nicht müssten.

Die Abkehr von der flächendeckenden Einführung der gebundenen Ganztagsschule ist eine von insgesamt elf „Jugendpolitischen Forderungen“ des Landesjugendrings an die Parteien zur Landtagswahl am 4. September.

Bei der Vollversammlung des Spitzenverbandes der Jugendarbeit am Sonnabend in Wismar wurden die Forderungen Politikern der vier Landtagsparteien SPD, CDU, Linken und Grünen vorgestellt. Dazu gehören auch die Einführung des Wählens mit 16 und ein Investitionsprogramm zum Erhalt von Jugendeinrichtungen und Jugendübernachtungsstätten.

Auf der Wunschliste steht auch ein Jugendmitwirkungsgesetz. Vorbild sei das bestehende Seniorenmitwirkungsgesetz in Mecklenburg-Vorpommern, sagte Heibrock.

Der Landesjugendring versteht sich als Interessenvertretung der Kinder und Jugendlichen im Land. In ihm sind nach eigenen Angaben 24 landesweit aktive Jugendverbände sowie Stadt- und Kreisjugendverbände zusammengeschlossen. Dahinter stehen demnach rund 200 000 junge Menschen.

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