Produktionsschule Westmecklenburg in Greven : Jugendliche schmieden ihren Erfolg

Max schmiedet unter den kritischen Blicken seines Werkstattpädagogen einen Meißel für die Gäste. bernd möschl
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Max schmiedet unter den kritischen Blicken seines Werkstattpädagogen einen Meißel für die Gäste. bernd möschl

Ungewöhnlicher Besuch in der Produktionsschule Westmecklenburg: Der Präsidente des Europäischen Parlaments und die Sozialministerin von MV verschafften sich einen Eindruck von der Arbeit vor Ort.

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08. November 2012, 11:37 Uhr

Greven | Hätten sie am Montagmorgen allein den Radio-Nachrichten getraut oder dem puren Ortsnamen in einem Navi, so wären die Besucher wohl irrtümlich in der Nähe von Boizenburg gelandet, während man sie im Dörfchen Greven - drei Kilometer nördlich von Lübz - mit verständlicher Spannung erwartete. In den sechs Jahren ihres Bestehens hatte die hiesige Produktionsschule Westmecklenburg allerdings auch noch nie solche Gäste: den Präsidenten des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, in Begleitung der Sozialministerin Mecklenburg-Vorpommerns, Manuela Schwesig.

Die aus der Oderregion stammende Wahl-Mecklenburgerin hatte ihren aus dem Rheinland kommenden Parteifreund (SPD) eingeladen, sich gemeinsam einen Eindruck von der Arbeit einer der gegenwärtig sechs Produktionsschulen zu verschaffen, die das Land derzeit mit Hilfe des Europäischen Sozialfonds ESF entscheidend mitfinanziert. Seit dem 1. August 2006 summiert sich diese Förderung bis Jahresende allein am Standort Greven auf insgesamt etwa 2,6 Millionen Euro, wobei die Gesamtausgaben augenblicklich zu 35 Prozent von örtlichen kommunalen Mitteln sowie einem eigenständig erwirtschafteten Anteil der Produktionsschule getragen werden.

Als zuständige Ministerin dieser Einrichtungen der Jugendberufshilfe hält Manuela Schwesig die Produktionsschulen im Land für eine Erfolgsgeschichte. Diese wende sich insbesondere an 15- bis 20-jährige Schul- oder Ausbildungsabbrecher sowie junge Menschen mit besonderem sozialpädagogischem Hilfebedarf. Und das werden laut aktueller Statistik immer mehr. Jedoch über ein Drittel aller Produktionsschüler konnten bereits unmittelbar nach individuell unterschiedlicher Zeit (drei bis 18 Monate) produktiven Lernens unter betriebsgleichen Bedingungen eine Berufsausbildung aufnehmen. Insgesamt finde sogar gut die Hälfte aller Produktionsschüler in MV erfolgreich ihren Weg in einen Beruf, weiß die Ministerin.

Für Martin Schulz besonders beeindruckend war das Erleben, wie die auf eigenen Wunsch in der Produktionsschule Greven Lernenden ihren Alltag gemeinsam mit erfahrenen Werkstattpädagogen und Sozialarbeitern gestalten. Bereits beim Begrüßungs-Imbiss im ehemaligen Gutshaus, das bekanntlich seit der Jahrtausendwende durch den Jugendförderverein Parchim-Lübz und dessen All Pütter gGmbH renoviert und genutzt wird, lernte der Rheinländer die schmackhaften Dienstleistungen des Hauswirtschaftsbereiches schätzen. Bei Mecklenburger Kartoffelsuppe, frisch gebrühtem Kaffee und süßen Kleinigkeiten aus Blätterteig erfuhren die Gäste nicht nur von den speziellen Erfolgen der Grevener Produktionsschule seit 2006, sondern auch von der praktisch seit 1953 ununterbrochenen "guten Erfahrungen" der ländlichen Gemeinde mit der Chancensuche für benachteiligte Jugendliche. "Das wird hier tatsächlich gelebt", stellten die Gäste fest, wobei sie konkrete Beispiele wie die Übernahme von Produktionsschul absolventen über Praktika in feste Ausbildungs- und Arbeitsverhältnisse bei örtlichen Unternehmen insbesondere von Landwirtschaft, Gartenbau aber auch Handwerk gänzlich überzeugte.

Dieses Vertrauen rühre in erster Linie sicher vom wachsamen Wirken des Wirtschaftsbeirats eben aus regionalen Unternehmern, Bürgermeistern, Gewerkschaften und Kammern her, meinte Produktionsschulleiterin Sabine Trepke. Besonders beeindruckte Manuela Schwesig und Martin Schulz das gesunde Selbstbewusstsein, mit dem die Jugendlichen ihre Tätigkeiten vorstellten und mit offensichtlichem Stolz von "ihrer" Produktionsschule sprachen.

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