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Business Talk : „Jugend besser als ihr Ruf“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Unternehmer und Politiker diskutieren beim Business Talk im medienhaus:nord über Schule und Berufsausbildung.

svz.de von
erstellt am 28.Okt.2014 | 21:00 Uhr

Die Zahl der Geburten in Mecklenburg-Vorpommern sinkt stetig, gleichzeitig erreicht ein Großteil der geburtenstarken Jahrgänge in den kommenden Jahren das Rentenalter. In der Bildungslandschaft zeichnet sich zudem schon länger ein Strukturwandel ab – junge Leute mit gutem Schulabschluss entscheiden sich zunehmend für ein Studium anstatt für eine Lehre. Anderen Jugendlichen hingegen fehlt es an der nötigen Reife, Motivation und Schulbildung, um eine Ausbildung beginnen zu können. Von der „Generation Facebook“ ist die Rede, die nicht mehr kann als liken, teilen und posten. Die Folge: Den Unternehmen im Land fehlen die Auszubildenden.

Doch ist die Jugend wirklich so schlecht wie ihr Ruf? Und was leisten die Schulen, um jungen Erwachsenen einen erfolgreichen Start in ihr Berufsleben zu ermöglichen? Über diese und weiteren Fragen diskutierten gestern Abend der Bildungsminister des Landes, Mathias Brodkorb (SPD), sowie Unternehmer und Vertreter der Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern, Arbeitsagentur, des Kreiselternrates und des Kreisschülerrates. Sie waren zum Business Talk der Bundesagentur für Arbeit im medienhaus:nord eingeladen.

Den Abend nutzte der Bildungsminister, um mit Vorurteilen gegenüber Jugendlichen und der Qualität der Ausbildung an Schulen in MV aufzuräumen. „Die Jugend ist besser als ihr Ruf“, sagte Brodkorb. „Wir sollten ihre Begeisterungsfähigkeit, Lebensfreude und die Lust, etwas lernen zu wollen, nutzen, um etwas aus ihnen zu machen.“ In diesem Zusammenhang stellte er unter anderem Förderungsmaßnahmen des Landes vor, wie Schüler und Lehrer künftig besser unterstützt werden sollen. So sollen Erzieher an ausgewählten Grund- und weiterführenden Schulen eingesetzt werden, um Defizite auszugleichen.

Peter Günther, Präsident der Handwerkskammer Schwerin, sieht die Gesellschaft in Zugzwang, den Jugendlichen eine entsprechende Ausbildungsreife auf dem Weg zu geben. „Wir müssen dahin kommen, dass alle an Erwachsenwerden von Kindern und Jugendlichen Beteiligten ihren Erziehungsauftrag sehen und auch wahrnehmen“, sagte er. Schulische Defizite und soziale Kompetenzen könne der Betrieb nachträglich nur bedingt ausgleichen, nicht aber das, was im Elternhaus über Jahre versäumt wurde.

Ähnlicher Meinung war auch Steffen Timm, Vizepräsident der IHK zu Schwerin. „Die Jugend ist das, was wir gesellschaftlich vorleben. Was wir bekommen, haben wir erzogen und geformt“, sagte er. Dabei seien die Schüler von heute nicht schlechter oder besser als früher, sie hätten nur andere Lebensziele, weil sie ohne Not und Krieg aufgewachsen sind.

Kritik am Bildungssystem in MV äußerte Phillip Dingler vom Kreisschülerrat Ludwigslust-Parchim. „Schüler lernen und begreifen anders als früher, sie entwickeln sich mit der Zeit und das alles in einem Bildungssystem, welches aus dem frühen Mittelalter stammt und dessen Entwicklung an vielen Stellen zu stagnieren scheint.“

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