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Hansa Rostock: Kein Profit aus hervorragender Nachwuchsarbeit : Jugend als Vorbild für die abgestürzten Großen

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Deutscher Meister 2010, DFB-Pokalfinale 2011 und nun Bayern München ausgeschaltet: Hansa Rostock erlebt rosige Zeiten. Allein, gemeint ist nicht das abgestürzte Profi-Team des Traditionsklubs, sondern die U19-Auswahl.

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erstellt am 18.Jun.2013 | 10:10 Uhr

Rostock | Deutscher Meister 2010, DFB-Pokalfinale 2011 und nun Bayern München ausgeschaltet: Hansa Rostock erlebt rosige Zeiten. Allein, gemeint ist nicht das abgestürzte Profi-Team des Traditionsklubs, sondern die U19-Auswahl. Seit Jahren prägen die A-Junioren der Hanseaten den deutschen Nachwuchs-Fußball - und zeigen den "Großen", dass man trotz finanziell überlegener Konkurrenz nicht zwangsläufig in der Bedeutungslosigkeit verschwinden muss.

"Der Nachwuchs ist die größte Hoffnung des Vereins", sagt Hansas langjähriger Bundesliga-Trainer Frank Pagelsdorf: "Es gibt auch keinen anderen Ausweg, wenn kein Geld da ist." Nicht nur für viele Fans, ebenfalls für den 55-Jährigen ist es "eigentlich unglaublich", wie ein Verein mit einem solchen Unterbau dem Amateur-Fußball so nahe kommen kann. Am Montagabend hatte Hansas A-Jugend durch ein 1:1 im Rückspiel (Hinspiel 2:0) den Nachwuchs von Champions-League-Sieger Bayern München aus dem Bundesliga-Halbfinale geworfen und nach dem Titelgewinn 2010 den zweiten Finaleinzug binnen vier Jahren perfekt gemacht. Am Sonntag in der DKB-Arena treffen die Hansa-Youngster entweder auf den VfL Wolfsburg oder Schalke 04. Überhaupt: Seit Bestehen der top besetzten U19-Bundesliga 2003 kam Hansa immer unter die besten Sechs, 2011 ins DFB-Pokalfinale.

Und die Profis? Stiegen 2005 nach zehn Jahren aus der Bundesliga ab und verhinderten diese Saison eben noch den kompletten Absturz in die Regionalliga. Warum schafft es die Hansa-Kogge nicht, die zweifelsohne hochtalentierten Nachwuchsspieler in der Breite schubweise ins Boot zu holen? "Der Sprung für die jungen Bengels ist schwierig", sagt Nachwuchsleiter Juri Schlünz und spricht zudem das wohl größere Problem an: "Zumal im Verein auch keine Konstanz in der Männermannschaft war, wir hatten ständig neue Trainer." Und zwar acht in etwas mehr als vier Jahren.

Vielversprechende Talente gehen ablösefrei

Wenig verwunderlich, denn trotz finanzieller Nachteile gegenüber der Konkurrenz sollte dem Abstieg stets der sofortige Wiederaufstieg folgen. Mit überwiegend Nachwuchstalenten sind solche kurzfristigen (und utopischen) Ziele kaum zu erreichen - so wurden die Youngster häufig in die zweite Reihe gedrängt. Und stattdessen halbjährlich zig Neue geholt. In der abgelaufenen Drittliga-Saison wurde beispielsweise Sturm-Talenten wie Sargis Adamyan oder Nils Quaschner, dreimaliger Torschütze gegen Bayern, kaum die Möglichkeit gegeben, sich über einen längeren Zeitraum festzuspielen. Oft scheint es zudem, als wenn die einzeln immer mal wieder eingesetzten, technisch top ausgebildeten Jugend-Spieler Probleme haben, mit dem spielerisch oft arg durchwachsenen Fußball des Männerteams zurechtzukommen. Nun verlassen Hansa erneut vielversprechende Talente - und das ablösefrei, da die Verträge ausliefen und sich in einigen Fällen von Hansas Seite nicht (konsequent) um Verlängerung bemüht worden war: Unter anderem Kevin Müller (VfB Stuttgart II), Edisson Jordanov (Borussia Dortmund II), Tom Weilandt (SpVgg Greuther Fürth), Stephan Gusche (SV Wehen Wiesbaden) und Ben Zolinski (unbekannt).

U19-Trainer Roland Kroos, Vater von Bayerns Nationalspieler Toni Kroos und von Felix Kroos (Werder Bremen), hatte zum Anfang der Saison prognostiziert: "Die Mannschaften mit Bundesliga-Teams und üppigen Etats werden uns vermutlich den Rang ablaufen." Er lag falsch. Denn "mit Begeisterung und Leidenschaft, Hunger und Disziplin", wie er damals gefordert hatte, steuert die "kleine Kogge" erneut der Meisterschaft entgegen.

Tugenden, die Hansa Rostock in der früheren Bundesliga-Zeit ausgezeichnet haben. Was vielleicht als Wink von den Verantwortlichen aufgefasst werden könnte, sich Pagelsdorfs Plädoyer anzuschließen: "Auch wenn’s nicht von heute auf morgen geht: Auf den Nachwuchs zu setzen, ist für Hansa die einzige Chance."

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