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Mecklenburg-Vorpommern

16. Dezember 2017 | 04:40 Uhr

AfD-Parteitag : Journalistin musste gehen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

AfD-Parteitag wählte Kandidatenliste für Landtagswahl und beschloss Ausschluss einer Reporterin

svz.de von
erstellt am 21.Feb.2016 | 21:00 Uhr

Das sah so gar nicht nach dem Bild einer modernen demokratischen Partei aus, das die AfD sonst so gerne von sich zeichnet. Der Landesverband Mecklenburg-Vorpommerns schloss am Sonnabend auf seinem Parteitag in Demmin die Journalistin Andrea Röpke per Beschluss von der Berichterstattung aus und verwies die 50-Jährige des Saales. Der Antrag wurde damit begründet, dass Frau Röpke Fotos von Mitgliedern des Parteitages mache und sie später angeblich auf Antifa-Seiten ins Internet stelle. Die Journalistin wies diese Unterstellung zurück. „Ihr handelt wie die NPD“, sagte sie vor der Tür, wo ein AfD-Funktionär ihr ein Hausverbot aussprach. Andrea Röpke war 2015 für ihre Arbeit vom Zentralrat der Juden in Deutschland mit dem Paul-Spiegel-Preis ausgezeichnet worden.

Die Atmosphäre war auch ohne den Rauswurf zeitweise spannungsgeladen. Ein Antrag des AfD-Aktivisten Holger Arppe auf Aussprache über eine angebliche Intrige gegen die beurlaubte AfD-Geschäftsführerin und Schweriner Stadtvertreterin Petra Federau wurde abgelehnt. Zu genauen Hintergründen wollte sich gegenüber den Medien niemand äußern. Immer wieder angesprochen und ebenfalls nicht ausdiskutiert wurde auf dem Parteitag eine „Stralsunder Liste“ – angebliche Kungeleien zur Unterstützung von Kandidaten.

Gewählt wurde auch. Leif-Erik Holm, ehemaliger Radiomoderator und Landessprecher der AfD wird die Partei auf Platz eins der Landesliste in den Wahlkampf führen. Von den 173 anwesenden AfD-Mitgliedern bekam er 130 Stimmen. Auf Listenplatz zwei kam Matthias Manthei. Der Greifswalder Familienrichter ist Co-Landessprecher und setzte sich in Demmin gegen Holger Arppe durch. Auf den ebenfalls aussichtsreichen dritten Platz kam Petra Federau, gefolgt von Holger Arppe auf Platz vier. Arppe ist im vergangenen Jahr wegen Volksverhetzung verurteilt worden. Das Urteil des Rostocker Amtsgerichts ist noch nicht rechtskräftig.

Damit zeichnen sich schon jetzt zwei Lager in einer möglichen AfD-Fraktion im Schweriner Landtag ab. Holm und Manthei bemühten sich in der Vergangenheit immer wieder um ein bürgerlich konservatives Bild der Partei in der Öffentlichkeit. Dagegen stehen Federau und Arppe für den Rechtspopulismus im Landesverband.

Auf den folgenden Listenplätzen kommen der Neubrandenburger Rechtsanwalt Enrico Komning – der auch schon für die Schillpartei und die FDP politisch aktiv war – sowie der Greifswalder Gunter Jess, der die AfD im Kreistag von Vorpommern-Greifswald vertritt.

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