Josef und die neuen Väter

svz.de von
09. Dezember 2013, 00:33 Uhr

Ich genieße es, wenn ich andere Väter mit ihren Kindern durch die Stadt ziehen sehe. Es ist nicht zu übersehen – jedenfalls nicht in der Schelfstadt in Schwerin – es gibt sie: „die partnerschaftlichen Väter“. Sie tollen mit ihren Kindern über die Weihnachtsmärkte, die Spielplätze, holen sie vom Kindergarten oder der Schule ab, trinken mit ihnen Kakao im Café, schieben den Kinderwagen oder tragen die Jüngsten im Tragetuch.

Es sind noch wenige, aber sie sind nicht zu übersehen. Viele von ihnen sind nur wenige Monate ganz zu Hause. Ich war selbst einer von ihnen. Auch wenn es nur eine kurze Zeit war, hat mich die Zeit stark geprägt.

Vor einiger Zeit stieß ich auf ein barockes Altarbild, das mich überrascht hat. Auf dem Bild ist Josef zu sehen, der Zimmermann, der Vater Jesu. Er hält den Säugling auf dem Schoß und spielt ein wenig gedankenverloren mit den Zehen eines der beiden Füßchen. Josefs Blick ist zärtlich und fürsorglich auf den Kleinen gerichtet. Sein Gesicht leuchtet. Verklärtes Vaterglück, wie man es sonst immer Müttern zuschreibt. Seine Arbeit ruht. Die vielen Werkzeuge des Zimmermanns haben ihm die Engel abgenommen. Sie halten die Säge, das Beil, die Kanthölzchen, sitzen auf den Holzbalken, die bearbeitet werden müssen.

Ich denke an die Väter in meinem Stadtteil. Und ich wünsche mir, dass sie und die Mütter dieser Kinder die Qualitäten des Josef haben: Freude an den Töchtern und Söhnen,
die Fähigkeit, auch mal Arbeit abzugeben, damit Zeit ist für die Kinder, die richtige Mischung zwischen fest und sicher halten und genug Freiraum bieten, damit jedes Kind sich so entwickeln kann, wie es zu seiner Entwicklung braucht. Ich wünsche allen Kindern eine gute Bindung zu beiden Eltern, denn jedes Kind braucht Vater und Mutter.

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