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Nach Einführung des Mindestlohns : Jobs im Gastgewerbe legen in MV zu

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mindestlohn führte nicht zum Abbau sozialversicherungspflichtiger Jobs

svz.de von
erstellt am 19.Jan.2017 | 20:45 Uhr

Trotz Einführung des Mindestlohns vor zwei Jahren ist die Zahl regulärer Jobs im Gastgewerbe in Mecklenburg-Vorpommern um fast vier Prozent gestiegen. Mitte 2016 waren in den Hotels und Gaststätten des Landes 36 700 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt und damit gut 1300 mehr als zwei Jahre zuvor. Das geht aus Daten hervor, die das Pestel-Institut in Hannover im Auftrag der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) auf Basis von Arbeitsmarktzahlen erhoben hat.

Die Gewerkschaft NGG drängt auf eine Einhaltung des Mindestlohns in der Gastronomie. Seit Januar gelte ein um 34 Cent höherer Mindestlohn von 8,84 Euro pro Stunde, der einer Vollzeitkraft über 50 Euro mehr im Monat bringe, sagte NGG-Geschäftsführer Jörg Dahms. Er warnte vor „Lohn-Tricksereien durch die Hintertür“. Es sei eine beliebte Chef-Masche, die Menschen länger arbeiten zu lassen, die Überstunden dabei aber nicht zu bezahlen. „Das ist illegal.“ Mindestlohn-Beschäftigte in der Branche rief die NGG auf, einen Lohn-Check zu machen. Sobald die Januar-Lohnabrechnung vorliege, sollte jeder seinen Stundenlohn bis auf den letzten Cent nachrechnen.

Besonders hoch war demnach der Arbeitsplatzzuwachs in der Branche in Rostock, wo das Plus 8,3 Prozent erreichte. Insgesamt wuchs in dem genannten Zeitraum im Nordosten die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um knapp zwei Prozent auf rund 559 000. „Auch Arbeitgeber, die vor dem gesetzlichen Mindestlohn als ’Job-Killer’ und ’Konjunktur-Bremse’ gewarnt haben, sind in der Realität angekommen und kleinlaut geworden“, stellte NGG-Landesgeschäftsführer Jörg Dahms in einer gestern verbreiteten Mitteilung fest. Vor allem in den Regionen fernab der vielbesuchten Badeorte, in denen häufig Tarifgehalt und mitunter auch mehr gezahlt werde, habe der Mindestlohn für Beschäftigte Fortschritte gebracht. Er habe sich bewährt und dazu beigetragen, die „ruinöse Dumpinglohnspirale nach unten“ zu stoppen. „Das Gastgewerbe zählt zwar noch immer zu den Bereichen mit den schlechtesten Löhnen. Aber der Mindestlohn hat etwas in Gang gesetzt. Denn wenn Hilfskräfte besser bezahlt werden, geht es auch bei den Fachkräften voran“, erklärte Dahms. Zudem gingen immer mehr Arbeitgeber dazu über, ihre Mitarbeiter auch über den Winter zu beschäftigen, statt sie zu entlassen. „Wer einmal weg ist, der ist dann auch weg“, sagte Dahms unter Hinweis auf die wachsende Fachkräftenachfrage gerade auch in der Gastronomie.

Zum 1. Januar 2015 war in Deutschland ein flächendeckender Mindestlohn von 8,50 Euro je Stunde eingeführt worden. Nach Schätzung von Fachleuten profitierten rund 3,7 Millionen Beschäftigte im Niedriglohnsektor davon. Anfang 2017 wurde der Mindestlohn auf 8,84 Euro aufgestockt.

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