„Sprache hat Vorrang“ : Job-Programm für Flüchtlinge stockt

In MV erst 65 Arbeitsgelegenheiten für Asylbewerber eingerichtet

svz.de von
29. Dezember 2016, 05:00 Uhr

Arbeiten statt rumsitzen: Das vom Bund aufgelegte Job-Programm für Flüchtlinge kommt in MV nur langsam voran. Bislang sind erst 65 von mehreren Tausend vorgesehenen Arbeitsgelegenheiten bewilligt worden, teilte die mit der Verwaltung des Programms beauftragte Landesarbeitsagentur in Kiel mit. Weitere 418 Stellen seien beantragt, 29 geplant.

Das neue Arbeitsmarktprogramm soll Flüchtlingen mit guter Bleiberechtsperspektive ermöglichen, schon während des Asylverfahrens in Kontakt mit der deutschen Arbeitswelt und Gesellschaft zu kommen. Dafür hatte der Bund im Sommer beschlossen, 100 000 zusätzliche Arbeitsgelegenheiten für Flüchtlinge auf der Basis von 83 Cent je Stunde einzurichten. Es sei wichtig, dass Geflüchteten die Chance gegeben werde, möglichst früh zu erleben, wie der Arbeitsalltag in Deutschland aussehe, hatte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) das Programm begründet.

Mit der vom Bund für die kommenden drei Jahre mit einer Milliarde Euro finanzierten Job-Initiative können Asylbewerber bis zu sechs Monate lang bis zu 30 Stunden in der Woche arbeiten. Bis Mitte Dezember waren bundesweit 8500 entsprechende Ein-Euro-Jobs genehmigt worden. Neben der ohnehin einzuplanenden Anlaufzeit neuer Programme, hätten sich die Länder mit der Bundesagentur für Arbeit über die Verteilung der Mittel auf die einzelnen Agenturbezirke verständigen müssen, verteidigte eine Sprecherin des Bundesarbeitsministeriums den langsamen Programmstart. Viele Flüchtlinge würden sich derzeit noch in Sprachkursen befinden und könnten daher noch keiner Arbeitsgelegenheit nachgehen, erklärte Ulrike Seemann-Katz, Vorsitzende des Flüchtlingsrates MV: „Sprache hat Vorrang.“ Seemann-Katz forderte die Kommunen auf, für gleiche Bedingungen zu sorgen und bei der Übernahme von Ein-Euro-Jobs die Fahrtkosten zu übernehmen.

In MV haben indes die ersten Flüchtlinge Arbeitsgelegenheiten angenommen. Im Amt Torgelow-Ferdinandshof gehen sie z. B. einfachen Tätigkeiten unter anderem im Tierpark, der Möbelbörse, der Kleiderkammer und der Jugendherberge nach. In Putbus auf Rügen würden sie bei der Pflege von Fuß-, Rad- und Wanderwegen helfen, teilte die Landesarbeitsagentur mit. In Wismar gehen sie Hilfstätigkeiten im Bereich Küche, Reinigung und Pflege der Außenanlagen beim Verein zur Förderung seelischer Gesundheit und Integration „Das Boot“ nach. In Bergen helfen sie Landsleuten bei Behörden- und Arztbesuchen und übersetzen.

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