Ehe für Alle : Jetzt traut sich MV

Ab morgen dürfen homosexuelle Paare heiraten. Erste Anmeldungen bei Ämtern.

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29. September 2017, 21:00 Uhr

Jahrelang gefordert, im Schnelldurchlauf durch das Parlament gejagt und plötzlich gar nicht nachgefragt? Das Interesse an der „Ehe für alle“ hält sich in Mecklenburg-Vorpommern bisher in Grenzen. Das hat eine Umfrage unserer Zeitung unter mehreren Standesämtern im Land ergeben. Demnach gibt es zurzeit kaum Anträge auf eine gleichgeschlechtliche Eheschließung. Ausnahme ist Neubrandenburg.

Ab morgen ist es homosexuellen Paaren in Deutschland gestattet, den Bund der Ehe einzugehen. Damit erhalten sie nach vielen Jahren Kampf die gleichen Rechte wie heterosexuelle Paare und dürfen zum Beispiel Kinder adoptieren. Bisher konnten Schwule und Lesben nur eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft amtlich eintragen lassen. Dabei handelte es sich um ein abgespecktes Modell der Ehe.

Grundsätzlich befürworte er natürlich die Gesetzesänderung, sagt Roy Rietentidt, Geschäftsführer des Lesben- und Schwulen-Landesverbands „Gaymeinsam“ in Schwerin. „Die Umsetzung war jedoch mehr als bescheiden“, beklagt er. Das Thema „Ehe für alle“ sei für den Wahlkampf instrumentalisiert worden.

Im Land kommt bisher noch keine Heiratsstimmung auf. „Aktuell liegen uns zwei Anmeldungen vor“, teilt der Sprecher der Stadt Rostock, Ulrich Kunze, mit. Fünf Termine zur Umwandlung einer eingetragenen Partnerschaft in eine Ehe wurden vergeben. In Stralsund, Greifswald und Schwerin gebe es noch gar keine verbindlichen Anmeldungen.

Eine Ausnahme bildet Neubrandenburg. In der Stadt, dessen Bürgermeister, Silvio Witt, bekennend homosexuell ist, gab es laut dem Standesbeamten Andreas Beck zwölf Ehe-Anmeldungen für dieses Jahr. Drei davon sollen noch am Montag vollzogen werden. „Das ist schon ein großer Ansturm“, meint Beck. 320 Eheschließungen verzeichnete die Stadt 2016.

„Ich freue mich sehr darüber, dass mit der ‚Ehe für alle‘ eine vor allem rechtliche Diskriminierung beendet wird“, betonte gestern Gleichstellungsministerin Stefanie Drese (SPD). „Endlich ist der Schritt gemacht, dass alle Menschen, die füreinander Verantwortung übernehmen, staatlichen Schutz erhalten.“
 

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