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Befreiungsschlag: Land wird Theaterträger in Schwerin : Jetzt macht das Land Theater

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Das Kabinett hat heute einen Beschlussvorschlag von Bildungsminister Mathias Brodkorb beschlossen, nach dem das Land ab 2016 als Gesellschafter in eine Theater-GmbH eintritt und sich an den Umstrukturierungen aktiv beteiligt.

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erstellt am 13.Aug.2013 | 12:31 Uhr

Schwerin | Eigentlich wollte das die Landesregierung in Schwerin nie. Noch vor fünf Jahren sprach die scheidende Finanzministerin Sigrid Keler (SPD) immer von einem Stadttheater, wenn sie auf die permanenten Geldnöte des Mecklenburgischen Staatstheaters angesprochen wurde. Jetzt steht unter der Kabinettsvorlage 75/13, die Kultusminister Mathias Brodkorb heute um 10 Uhr unter Tagesordnungspunkt 5 der Ministerrunde vorlegen will: „Die Vorlage ist mit der Staatskanzlei, dem Ministerium für Inneres und Sport und dem Finanzministerium abgestimmt.“

Und diese Vorlage hat es in sich. Nach jahrelangem Ringen um eine Reform der Theater- und Orchesterlandschaft in Mecklenburg-Vorpommern erklärt die Landesregierung ihre „grundsätzliche Bereitschaft, ab 2016 in eine Gesellschaft ,Staatstheater Mecklenburg’... für den westlichen Landesteil einzutreten“. Das ist eine Theaterrevolution, die der Kultusminister seinen Kollegen vorlegt. Wen diese dem Vorschlag zustimmen, und das ist wahrscheinlich, übernimmt das Land erstmals seit 1990 für ein Theater selbst Verantwortung. Damit ist das Mecklenburgische Staatstheater zwar noch lange nicht seine Probleme los, aber es hat einen starken Gesellschafter im Boot. Und dieser lockt zunächst einmal mit Geld , stellt aber auch harte Bedingungen. So wurde es im Koalitionsausschuss vor genau einer Woche ausgehandelt.

Brodkorbs Versprechen:

  • „Das Land wird seine Mittel ab 2020 dynamisieren.“

  • „Das Land wird sich temporär an notwendigen Umstrukturierungskosten der Mecklenburgischen Staatstheater gGmbH zu einem ,Staatstheater Mecklenburg’ beteiligen.“

  • „Das Land wird sich bis 2020 über bisherige Zahlungen hinaus an der Finanzierung des ,Staatstheater Mecklenburg’ beteiligen.“ Im Jahr 2014 ist von 1,2 Mio. Euro die Rede und in den folgenden Jahren von bis zu 1,6 Mio. Euro. Dieses Geld soll aus den bisherigen Theatermitteln des Landes genommen werden, d.h. andere Theater - insbesondere Rostock - wird darauf verzichten müssen.

  • Zudem ist eine Soforthilfe „in Höhe von zwei Millionen Euro in 2013“ avisiert.

In dem Beschlussvorschlag wird außerdem angekündigt, dass sich das Land am Umbau und der Erhaltung des Landestheaters in Parchim als neuer Außenstandort eines „Staatstheaters Mecklenburg“ zu 50 Prozent, maximal jedoch mit drei Millionen Euro „einschließlich sämtlicher Baukostensteigerungen“ beteiligt.

Die Bedingungen, die Brodkorb und die Ministerrunde dem jetzigen Generalintendanten, Joachim Kümmritz, und der Stadt Schwerin stellen, sind ebenso konkret, wie die Zusagen. Noch im August sollen der Aufsichtsrat des Theaters und die Stadtvertretung folgenden Voraussetzungen zustimmen: „Am Standort Schwerin sind bis 2020 30 Stellen (1,7 Mio. Euro) sozialverträglich abzubauen (altersbedingter Abgang, Nichtbesetzung, Vorruhestandsangebote)“, heißt es in der Beschlussvorlage 75/13. Mit Orchestervereinigung und dem Verein deutscher Opernchöre soll eine dauerhafte Personalkostensenkung auf die Einkommenssituation eines B-Orchesters (bislang A-Orchester) verhandelt werden. Durch eine Spielplanoptimierung sollen 400 000 Euro Veranstaltungskosten gespart werden und, und, und.

Wichtig: Mit einer Verlagerung der niederdeutschen Fritz-Reuter-Bühne nach Parchim werden weitere sieben Stellen gespart, so das Ziel. Das alles soll zu einem ausgeglichen Wirtschaftsplan des Mecklenburgischen Staatstheaters führen. Derzeit steht das Theater im Jahr 2013 mit 3,3 Millionen Euro im Minus – bei einem Gesamtetat von 23 Millionen Euro!

Die Beschlussvorlage basiert auf den Vorschlägen des Münchner Beratungsunternehmen Metrum, das seit einem Jahr den Auftrag hat, zwischen dem Volkstheater Rostock und den Theatern in Schwerin und Parchim ein Fusions- oder Kooperationsmodell zu erarbeiten. Verhandlungen dazu scheiterten, nachdem die Rostocker Stadtvertreter zunächst ihrem Oberbürgermeister untersagten, mit Schwerin zu verhandeln. Später jedoch erhielt OB Roland Methling den Auftrag, nur mit Schwerin aber nicht mit dem Land zu verhandeln. Zu einer Dreiervereinbarung zwischen Rostock, Schwerin und dem Kultusministerium kam es schließlich nicht, so dass Rostock jetzt um seine Theaterzuschüsse vom Land bangen muss.


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