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Ausbildungsbetriebe in Not : Jeder zweiten Firma fehlen Azubis

vom
Aus der Onlineredaktion

Unklare Berufsvorstellungen und weite Wege zur Berufsschule sind Hemmnisse

svz.de von
erstellt am 22.Aug.2017 | 21:00 Uhr

Entweder erhielten sie gar keine Bewerbungen, oder es bewarben sich nur ungeeignete Jugendliche: Die Hälfte der Ausbildungsbetriebe in Mecklenburg-Vorpommern konnte im vergangenen Jahr ihre angebotenen Ausbildungsplätze nicht besetzen. Das geht aus einer gestern in Schwerin veröffentlichten Umfrage der drei Industrie- und Handelskammern (IHK) im Land hervor. Dabei steige die Zahl der Firmen ohne einen einzigen Bewerber in den letzten Jahren kontinuierlich, so der Hauptgeschäftsführer der Neubrandenburger Kammer, Torsten Haasch, der diese Entwicklung alarmierend nannte. Betroffen seien vor allem Hotels und Gaststätten, aber auch Einzelhändler, Pflegeeinrichtungen sowie Ausbildungsbetriebe in sehr ländlicher Lage.

Dabei seien die Zeiten, in denen sich ein Großteil der hiesigen Schulabgänger außerhalb, insbesondere in Hamburg beworben hätte, vorbei, so Haasch. Jugendliche würden heute das Bundesland zur Ausbildung nur noch ungern verlassen. Auch die Höhe des Lehrlingsentgelts ist kein Grund mehr wegzugehen, ergab die Umfrage. Haupthindernis bei der Besetzung von Lehrstellen sind vielmehr die unklaren Berufsvorstellungen der Schulabgänger. Unternehmen müssten ihr Marketing entsprechend verändern. Berufsorientierung müsse zudem praxisnäher werden, vor allem Praktika seien in der Umfrage von Jugendlichen als sehr hilfreich bei der Berufsorientierung gelobt worden, so die Kammern.

Unverändert kritisch werden Defizite beim Lesen, Schreiben, Rechnen, aber auch in der Sozialkompetenz vieler Bewerber gesehen. „Aber die Unternehmen klagen weniger darüber, sie tun etwas“, betonte Haasch.

Nicht allein zu lösen sei ein anderes Problem: Jeder zweite Betrieb (48,5 Prozent) sieht in zu weiten Anfahrtswegen zur Berufsschule ein Ausbildungshindernis. Im Bundesdurchschnitt kommt diese Kritik nur aus jedem fünften Unternehmen – ein klarer Nachteil für MV, den die geltende Fahrkostenregelung durch das Land nicht auffängt, beklagen die IHK. Unterbringungs- und Fahrkosten sollten generell vom Land übernommen werden, fordern sie deshalb – und werden dabei von der Linken im Landtag unterstützt. „Wir erwarten von der Landesregierung, dass sie endlich in die Puschen kommt und die Förderrichtlinie noch in diesem Jahr so ändert, dass Berufsschüler tatsächlich entlastet werden“, forderte Fraktionsvorsitzende Simone Oldenburg.

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