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Mecklenburg Vorpommern : Jeder zweite Patient soll selbst zahlen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

IGeL-Leistungen weit verbreitet / Großteil laut Studie nutzlos und schädlich

svz.de von
erstellt am 28.Feb.2015 | 07:56 Uhr

Ob Krebsvorsorge oder Schwangerschaftsdiagnostik: Jeder zweite Patient in MV sollte schon einmal für Leistungen in der Arztpraxis bezahlen. Einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) zufolge sind 35 Prozent der Befragten sogar mehrfach „individuelle Gesundheitsleistungen“, kurz IGeL, angeboten worden – Leistungen also, für die gesetzliche Krankenkassen nicht aufkommen. „Vor allem Gynäkologen sind dabei aktiv“, weiß TK-Sprecherin Heike Schmedemann: 71 Prozent bieten Selbstzahlerleistungen an. Mehr als die Hälfte der Zahn- und Augenärzte ( 56 bzw. 55 Prozent) werben für IGeL, 34 Prozent der Urologen und 29 Prozent der Hautärzte.

Vier von fünf Patienten (81 Prozent) gehen auf die Offerten ein – obwohl sie aus Sicht der TK längst nicht immer medizinisch notwendig sind. Schmedemann rät Patienten, sich nie vorschnell für IGeL zu entscheiden, sondern erst Rat einzuholen. Die meisten Patienten tun das: im Internet (60 Prozent), bei ihrer Krankenkasse (37 Prozent), bei einem weiteren Arzt (33 Prozent).

Gute Beratung hält auch die Kassenärztliche Vereinigung (KVMV) für wichtig. Sie selbst bietet im Internet eine Checkliste dazu an. Andererseits, sagt der KVMV-Vorstand in einer schriftlichen Stellungnahme, wäre es falsch und nicht im Sinne der Patienten, IGeL aus den Praxen zu verbannen. Selbstzahlerleistungen seien im Einzelfall durchaus sinnvoll, ihre Kosten könnten aber nicht der Solidargemeinschaft aufgebürdet werden: Fahr- oder Sportuntersuchungen seien Beispiele , aber auch reisemedizinische Beratung. Einzelne Kassen offerierten allerdings ihren Versicherten selbst Angebote: „Im Wettbewerb der Kassen wird dies gern genutzt, auch die TK macht hiervon Gebrauch“, so die KVMV.

Ein noch drastischeres Urteil über IGeL fällt der Medizinische Dienst des Bundes der Krankenkassen. Geschäftsführer Peter Pick sagte: IGeL seien „in der Regel medizinisch nicht notwendig“. Ein Großteil habe keinen messbaren Nutzen, sei „zum Teil sogar schädlich“. Das bezweifelt die Bundesärztekammer. Präsident Frank Montgomery kritisierte die „offenbar rein politisch motivierte Auswahl der bewerteten Leistungen“.

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