zur Navigation springen

Paritätischer Wohlfahrtsverband : Jeder vierte Einwohner in MV gilt als arm

vom

Trotz boomender Wirtschaft und hohen Beschäftigungsraten sinken wieder mehr Menschen in Deutschland in Armut ab. Zu dieser Ansicht kommt der Paritätische Wohlfahrtsverband, der jetzt einen Bericht dazu vorlegte. Auch für Menschen in MV geht es demnach bergab.

svz.de von
erstellt am 19.Feb.2015 | 21:00 Uhr

In Deutschland gibt es nach Berechnungen des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes 12,5 Millionen Arme - so viele wie nie seit der Wiedervereinigung. Dabei wuchs die Armut in Mecklenburg-Vorpommern zuletzt wieder rascher als in den meisten anderen Bundesländern. Wie aus dem am Donnerstag in Berlin vorgelegten Bericht „Die zerklüftete Republik“ des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes hervorgeht, betrug die Armutsquote 2013 in Mecklenburg-Vorpommern 23,6 Prozent, nach 22,8 Prozent im Jahr davor.

Nur in Bremen war der Anteil mit 24,6 Prozent noch höher. Im Bundesdurchschnitt galten 15,5 Prozent der Menschen als arm. Im Jahr 2012 lag die Gesamtquote noch bei 15,0 Prozent. Mit 11,3 Prozent wies Bayern 2013 knapp vor Baden-Württemberg (11,4) den geringsten Wert auf. Unter den ostdeutschen Ländern hatte Brandenburg mit 17,7 Prozent die niedrigste Armutsquote. Als arm gelten Menschen in Haushalten mit weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens.

Betroffen ist man als Single damit mit nicht mehr als 892 Euro und als Familie mit zwei Kindern mit nicht mehr als 1873 Euro im Monat.

Wie aus den vorgelegten Daten weiter hervorgeht, lebten in Mecklenburg-Vorpommern 15,5 Prozent der Menschen von Hartz IV. Nicht nur in Bremen, sondern auch in Sachsen-Anhalt und Berlin, Ländern mit geringerer Armutsquote, war der Anteil der Hartz IV-Empfänger höher.

Experten werten dies als Beleg für das besonders niedrige Lohnniveau im Nordosten. Trotz Beschäftigung seien viele Menschen in Mecklenburg-Vorpommern auf staatliche Hilfe angewiesen, weil der Lohn nicht zum Leben reicht, hieß es.

Nach dem Bericht „Die zerklüftete Republik“ sind von Armut vor allem Alleinerziehende und Rentner betroffen, aber auch viele Minderjährige. Zudem vergrößert sich der Abstand zwischen Arm und Reich immer weiter, sowohl zwischen einzelnen Regionen als auch den Einkommensgruppen. „Noch nie war die Armut so hoch und noch nie war die regionale Zerrissenheit so tief wie heute“, sagte Verbands-Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider. Der Bundesregierung warf Schneider vor, die Lage zu beschönigen.

Nach Ansicht des Linksfraktionschefs im Schweriner Landtag, Helmut Holter, ist es „eine Schande für das reiche Deutschland, dass trotz guter wirtschaftlicher Entwicklung die Armut immer weiter zunimmt“.

Es seien prekäre Beschäftigungsverhältnisse, die geringen Löhne und viel zu niedrige Hartz-IV-Regelsätze, die Familien in die Armutsfalle zwingen. Darunter seien im Nordosten auch viele Kinder. Holter warnte zudem vor einer zunehmenden Altersarmut und verlangte von Bund und Land, für mehr Gerechtigkeit zu sorgen. „Große Vermögen müssen endlich wieder stärker besteuert werden.“

Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, sagte: „Angesichts der guten wirtschaftlichen Lage ist es paradox, dass sich Armut für bestimmte Bevölkerungsgruppen nicht nur verfestigt, sondern der Strudel sogar noch weiter abwärts zieht.“  Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) machte eine andere Rechnung auf. Die oberen 25 Prozent der Steuerpflichtigen zahlten hierzulande mehr als drei Viertel der Lohn- und Einkommensteuer. Dies komme einer „Umverteilung zugunsten ärmerer Bevölkerungsgruppen“ gleich, erklärte der Verband. Im Unterschied zu vielen anderen Ländern liege die Einkommensungleichheit in Deutschland sogar niedriger als zur Mitte des vergangenen Jahrzehnts.

Der Präsident der Volkssolidarität, Wolfram Friedersdorff, meinte hingegen: „Der deutliche Anstieg der Armut bei Alleinerziehenden und bei Rentnern ist eine klare Warnung an die Politik und Aufforderung, endlich zu handeln.“ Annelie Buntenbach, DGB-Vorstandsmitglied, sagte der dpa: „Wer Armut bekämpfen will, muss vor allem den Arbeitsmarkt aufräumen.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen