Analphabetismus in Mecklenburg-Vorpommern : Jeder siebte mit Lese-Rechtschreibschwäche

14 Prozent der Menschen im Alter von 18 bis 64 Jahren können nicht richtig lesen und schreiben. dpa
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14 Prozent der Menschen im Alter von 18 bis 64 Jahren können nicht richtig lesen und schreiben. dpa

Trotz Schulpflicht: Jeder siebte Deutsche kann nicht oder nur sehr mangelhaft lesen und schreiben. Die Linke-Bildungsexpertin Oldenburg fordert mehr Hilfe für solche Menschen in Mecklenburg-Vorpommern.

svz.de von
02. Januar 2013, 06:57 Uhr

Schwerin | Die Linke im Schweriner Landtag hat von der Landesregierung mehr Hilfen für Analphabeten in Mecklenburg-Vorpommern gefordert. Nach einer aktuellen Studie der Universität Hamburg können 14 Prozent der Menschen im Alter von 18 bis 64 Jahren in Deutschland nicht richtig lesen und schreiben oder haben große Probleme, geschriebene Texte zu verstehen. "In Mecklenburg-Vorpommern ist der Anteil der Analphabeten wegen der vergleichsweise hohen Schulabbrecherquote eher noch höher", sagte gestern Ines Schmidt, Direktorin des Volkshochschulverband Mecklenburg-Vorpommern, gegenüber unserer Redaktion. Viele der Analphabeten hätten das Lesen und Schreiben trotz Schulbesuch nie richtig gelernt. Viele der Betroffenen schämten sich und versuchten, ihr Manko zu überspielen.

Von den Volkshochschulen im Land werden über 90 Prozent aller Alphabetisierungskurse angeboten. Jährlich lernen etwa 1500 Teilnehmer an zwölf Volkshochschulen des Landes Lesen und Schreiben. 40 Unterrichtsstunden sind pro Semester vorgesehen. Viele Kursteilnehmer würden allerdings mehrere Semester benötigen.

Es sei ein verbreiteter Irrtum, dass Analphabeten fast ausschließlich arbeitslos seien, sagte Ines Schmidt. "57 Prozent der Teilnehmer der Lese- und Schreibkurse an den Volkshochschulen sind erwerbstätig." Bauhilfsarbeiter, Hausmeister und Kellner seien Berufsgruppen, die am häufigsten vertreten sind.

Viele Analphabeten hätten trotz lückenhafter Kenntnissen ein Schule absolviert. Nur jeder fünfte Kursteilnehmer hat nach Angaben des Volkshochschulverbandes keine abgeschlossene Schulausbildung. 47,7 Prozent haben dagegen einen unteren Schulabschluss und 12,3 Prozent sogar einen höheren.

Doch die lückenhaften Kenntnisse aus der Schule würden nichts nützen, wenn sie nicht im Alltag angewendet werden. "Lesen und Schreiben kann man verlernen", erklärte Ines Schmidt.

Die Bildungsexpertin der Linken im Landtag, Simone Oldenburg, wirft der Landesregierung vor, zu wenig für die Analphabeten zu tun. Zwar würde eine Unterrichtsstunde an der Volkshochschule nur etwa einen Euro kosten. Doch summiere sich der Beitrag.

SPD und CDU hatten sich im Koalitionsvertrag im vergangenen Jahr darauf geeinigt, dass alle Schulabschlüsse auf dem zweiten Bildungsweg für Schüler kostenfrei sein sollen.

Zudem kommen in ländlichen Regionen Fahrkosten hinzu, die ein Hindernis für die Teilnahme an Kursen seien können. Die Politikerin der Linken forderte mehr Engagement der Politik für funktionale Analphabeten und ein breites Landesbündnis, "um endlich zu zeigen, dass Bildung für jede demokratische Partei ein Thema sein muss". Die Linke werde das Thema im neuen Jahr in den Landtag bringen, kündigte Oldenburg an.

Das Bildungsministerium verwies darauf, dass in den Haushalten 2012 und 2013 jeweils 330 000 Euro für Alphabetisierung bereitgestellt wurden.

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