AOK-Report : Jeder Sechste über 60 hat Demenz

Demenzquote der AOK Nordost-60+-Versicherten in Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 2015
Demenzquote der AOK Nordost-60+-Versicherten in Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 2015

AOK-Report offenbart große Unterschiede in den Regionen, die vor allem auf die Versorgungsangebote zurückzuführen sind

von
04. April 2017, 21:00 Uhr

Tessin ist die Demenz-Hauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns. 37,4 Prozent der über 60-Jährigen leiden dort an der Erkrankung, die durch Einschränkungen des Denkens, des Gedächtnisses, aber auch der Sprache, der Motorik und der Persönlichkeitsstruktur geprägt ist. Mit deutlichem Abstand folgt Pasewalk, wo 28,6 Prozent der Einwohner über 60 demenzkrank sind. Das geht aus dem gestern veröffentlichten zweiten Pflegereport des Gesundheitswissenschaftlichen Instituts der AOK Nordost (Gewino) hervor, für den die anonymisierten Daten von 1,75 Millionen Versicherten der Dreiländerkasse ausgewertet wurden. In MV sind gut ein Drittel aller über 60-Jährigen bei der AOK versichert. Ergebnisse des Reports sollen unter anderem in die Sozialplanung der Kommunen einfließen. Laut AOK Nordost verfügen sie bislang nicht über derart detaillierte Daten zur Häufigkeit von Demenzerkrankungen und zu einer Inanspruchnahme von Leistungen der Pflegeversicherung.

Im landesweiten Durchschnitt ist bereits beinahe jeder Sechste über 60-Jährige an Demenz erkrankt. Binnen fünf Jahren stieg die Quote hierzulande um 2,2 auf 16 Prozent. Die landesweit niedrigste Demenzquote hat das Amt Neustrelitz-Land im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte mit 7,3 Prozent. Die extreme Spannweite führt das Gewino vor allem auf Unterschiede in der regionalen Versorgungsstruktur zurück: Wo es spezialisierte Wohngruppen oder Pflegeheime gibt, leben auch mehr Demenzkranke.

Allerdings stieg insgesamt gesehen der Anteil der zu Hause gepflegten Demenzkranken in Mecklenburg-Vorpommern zwischen 2011 und 2015 um 4,1 auf 62,8 Prozent. In 16 Ämtern bzw. amtsfreien Gemeinden des Landes wurden sogar alle Demenzkranken zu Hause betreut – auch das spiegelt die Versorgungsstruktur wider. Besser ist sie offenbar in Graal-Müritz, wo nur 23.1 Prozent der Demenzkranken zu Hause gepflegt werden.

Auffällig ist auch dieser Vergleichswert: In MV nehmen die wenigsten Angehörigen Demenzkranker (19,3 Prozent) Verhinderungspflege in Anspruch. In Berlin sind es immerhin 21,1 Prozent, in Brandenburg sogar 26,1 Prozent. Auch die Möglichkeit der Tagespflege Demenzkranker wird hierzulande noch vergleichsweise selten – von 14,2 Prozent der Betroffenen – genutzt. Es gibt hier allerdings auch nur 186 entsprechende Einrichtungen. In Brandenburg sind es 228.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen