Jeder Sechste macht sich davon

Unfallflucht ist in Deutschland an der Tagesordnung. In Mecklenburg-Vorpommern entfernt sich im Schnitt jeder sechste Unfallverursacher unerlaubt vom Unfallort.  ddp
Unfallflucht ist in Deutschland an der Tagesordnung. In Mecklenburg-Vorpommern entfernt sich im Schnitt jeder sechste Unfallverursacher unerlaubt vom Unfallort. ddp

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28. Februar 2010, 06:12 Uhr

Rostock/Neubrandenburg | In Mecklenburg-Vorpommern ereignen sich jedes Jahr annähernd 60 000 Unfälle. Und jeder sechste Verursacher versucht laut Statistik, sich durch Unfallflucht der Verantwortung zu entziehen. Doch fast der Hälfte dieser Sünder kommt die Polizei über kurz oder lang auf die Spur. Unfallflucht, das betont Innenminister Lorenz Caffier (CDU), ist "kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat". Matthias Siegert von der Dekra in Rostock plädiert für eine bessere Aufklärung über strafrechtliche Konsequenzen. Er ist überzeugt, dass dann auch die Zahl der Unfallfluchten sinken würde. Ein simpler Parkplatzrempler könne für flüchtige Berufskraftfahrer das Aus im Beruf bedeuten.

Das Thema war erneut in die Schlagzeilen geraten, als in der Karnevalszeit ein junger Autofahrer in Mecklenburg-Strelitz einen Fußgänger überfuhr und flüchtete. Das 23 Jahre alte Opfer starb. Der 20-jährige mutmaßliche Unfallfahrer war einen Tag später gefasst worden.

"Feige und asozial"

Laut Caffier ließen 2008 Kraftfahrer bei 581 Unfällen mit Personenschaden ihre Opfer im Stich. 42 Prozent der Verursacher seien ermittelt worden. Die Statistik für 2009 will das Innenministerium Anfang März vorlegen. "Jeder Verkehrsteilnehmer kann einmal in einen Unfall verwickelt werden. Wer sich dann aber heimlich aus dem Staub macht, handelt unverantwortlich, feige und asozial", sagte Caffier.

Wie die von den Kraftfahrtversichereren gegründete Stiftung Verkehrsopferhilfe mitteilte, bleiben bundesweit jedes Jahr etwa 200 flüchtige Unfallfahrer unentdeckt, die Menschen getötet oder schwerst verletzt haben. Um ein Vielfaches höher sei die Zahl der Autofahrer, die nach leichten Kollisionen, etwa auf Parkplätzen, das Weite suchten. Wenn keine Vollkasko-Versicherung vorliege, blieben die Geschädigten auf den Kosten sitzen. Im Versicherungsfall würden die Versicherer bei Bagatellschäden aber meist rasch zahlen. "Auch bei geringen Schäden wollen sich die meisten Verursacher vor allem den Ärger mit der Versicherung sparen", sagte Matthias Siegert von der Dekra.

Sieben Punkte in Flensburg

Viel schwerwiegender seien die strafrechtlichen Folgen: Werde ein flüchtiger Autofahrer erwischt, könne er zu hohen Geldstrafen verurteilt werden. "So können aus 200 Euro für eine zerkratzte Stoßstange schnell ein paar tausend Euro an Kosten werden." Dazukämen sieben Punkte in der Verkehrssünderkartei in Flensburg, die erst nach fünf statt zwei Jahren gelöscht werden.

Auch der ADAC warnt vor dem Entfernen vom Unfallort. "Auch die Annahme, dass es ja keiner gesehen hat, ist meist trügerisch", sagte ADAC-Sprecher Matthias Schmitting. Bei Unfällen auf Parkplätzen sei man verpflichtet, zumindest eine angemessene Zeit auf den Fahrer des anderen Fahrzeugs zu warten. "Wer dann doch keine Zeit mehr hat, sollte auf jeden Fall die Polizei informieren und dort seine Daten hinterlassen", riet Schmitting. Meldepflicht bestehe auch, wenn man mit dem Auto gegen eine Leitplanke oder ein Verkehrsschild gefahren ist.

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