zur Navigation springen

8986 Fälle von Fahrerflucht in MV : Jeder Sechste flieht feige vom Unfallort

vom

Wismar: Eine Autofahrerin verletzt bei einem Verkehrsunfall ein 13-jähriges Mädchen und macht sich feige aus dem Staub. Trotz Zeugen blieb die Frau bisher unerkannt. Fahrerflucht ist leider keine Seltenheit in MV.

svz.de von
erstellt am 15.Jul.2013 | 12:06 Uhr

Schwerin | Enttäuschung in Wismar: Eine etwa 40-jährige Autofahrerin, die bei einem Verkehrsunfall in der Innenstadt ein 13-jähriges Mädchen verletzte und sich feige aus dem Staub machte, konnte bisher nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Ende vergangener Woche übergab die Polizei die Akte ohne zählbares Ermittlungsergebnis der Staatsanwaltschaft in Schwerin. Der Unfall hatte sich bereits am frühen Abend des 7. Juni ereignet. Das Kind fuhr auf einem Radweg und wurde beim Überqueren einer Seitenstraße von der unaufmerksamen Fahrerin erfasst und stürzte. Trotz Zeugen blieb die flüchtige Frau unerkannt. "Bei Unfällen bitte immer das Kennzeichen des Fahrzeuges merken", rät der Wismarer Polizeisprecher.

Trotz empfindlicher Strafen entfernt sich jeder sechste Autofahrer in Mecklenburg-Vorpommern unerlaubt vom Unfallort. Bei insgesamt 54 799 Verkehrsunfällen musste die Polizei im vergangen Jahr in 8986 Fällen den Verursacher suchen. Im ersten Quartal dieses Jahres waren es bereits 2040 Unfallfluchten. Meistens handelt es sich um Unfälle mit Bagatellschäden. Allerdings nahmen Autofahrer im vergangenen Jahr auch in 525 Fällen Reißaus, obwohl Verletzten geholfen werden musste. Außerdem wurden 276 Unfälle mit bedeutenden Sachschäden mit Fahrerflucht registriert. Die Opfer bleiben meistens auf den Kosten sitzen. Innenminister Lorenz Caffier (CDU): "Ich appelliere an alle Verkehrsteilnehmer. Seien Sie sich ihrer Verantwortung als Fahrzeugführer und Unfallverursacher gegenüber den Unfallgeschädigten bewusst!" Unfallflüchtige haben oft Angst vor einer Höherstufung in der Haftpflichtversicherung. "Mitunter sollen mit dem unerlaubten Entfernen auch Fahrten unter Alkohol oder ohne Führerschein vertuscht werden", so ein Polizeisprecher.

Die Aufklärungsquote lag im vergangenen Jahr mit 58,15 Prozent bei Unfällen mit Personen- und Sachschäden relativ hoch. Im ersten Quartal dieses Jahres wurden sogar 63,33 Prozent aller Fälle von Fahrerflucht bei diesen Unfallkategorien aufgeklärt. Gibt es keine Zeugen, dann ist häufig auch eine Identifizierung über die Lackrückstände möglich, die vom Fahrzeug des Flüchtigen am Unfallort zurückgelassen wurden. Wer erwischt wird, dem drohen saftige Strafen. Rechtsexperten wie Holger Rochow, Schweriner Anwalt mit Schwerpunkt Verkehrsrecht, warnen: "Unfallflucht ist eine Straftat. Neben einer erheblichen Geldbuße ist sogar eine Freiheitsstrafe möglich." Außerdem werde häufig eine Führerscheinsperre von zwei Jahren verhängt verhängt. Die Haftpflichtversicherungen müssen zwar zahlen, können den Flüchtigen aber danach mit maximal 5000 Euro für den Unfallschaden in Regress nehmen. Unterschiedlich wird von Gerichten die Frage beantwortet, wie lange ein Unfallverursacher warten muss. Als angemessene Wartezeit am Unfallort gelten bei geringer Schadenshöhe 60 Minuten am Tag und 30 Minuten in der Nacht. Bei Verlassen ist allerdings die nächstgelegene Polizeidienststelle zu informieren.

Die verbreitete Meinung, ein Unfallverursacher habe 24 Stunden Zeit, um sich bei der Polizei zu melden, ist laut Rochow falsch. Damit könne der Betreffende lediglich bei Gericht eine Strafmilderung durch "tätige Reue" erreichen - vorausgesetzt die Polizei ist dem Flüchtigen nicht bereits selbst auf die Schliche gekommen. Opfer von Unfallflucht können beim Verkehrsopferhilfe e.V. eine Entschädigung beantragen, rät Rochow.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen