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Elbe-Hochwasser 2002: Soldat erinnert sich : "Jeder merkte, dass er gebraucht wird"

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"Wir waren 14 Tage im Dauereinsatz", erinnert sich Kompaniefeldwebel Zeh. Als vor zehn Jahren entlang der Elbe "Land unter" gemeldet wurde, war klar, dass sich das Hochwasser auch im Norden Bahn brechen würde.

svz.de von
erstellt am 24.Aug.2012 | 11:00 Uhr

Hagenow | "Wir waren 14 Tage im Dauereinsatz", schießt Kompaniefeldwebel Hans-Joachim Zeh als erste Erinnerung in den Kopf. "Man war eigentlich nur am Deich, nachts haben wir ein paar Stunden in städtischen Einrichtungen geschlafen." Als vor zehn Jahren in Dresden und anderen Städten entlang der Elbe und ihren Nebenflüssen "Land unter" gemeldet wurde, war klar, dass sich das Hochwasser auch am Unterlauf im Norden Bahn brechen würde. Auch an Zeh und seine Ausbildungskompanie in Hagenow erging ein Mobilisierungsbefehl.

Tausende Soldaten rückten an die Deiche aus, die ehrenamtlichen Helfer zu unterstützen. "Es waren sehr viele Zivilisten da, auch Schüler, die mit Herzblut geholfen haben", erinnert sich Zeh. Millionen Sandsäcke mussten befüllt und zu den Einsatzorten gebracht werden. Auch in Schwerin erschienen hunderte Freiwillige morgens um sechs mit ihren Schaufeln an Sammelpunkten. Von dort ging es meist nach Lübtheen, wo sie den ganzen Tag Sand schaufelten, bevor sie abends um 22 Uhr wieder zurück in der Landeshauptstadt waren. "Die Bundeswehr hat fast die gesamte Logistik für diesen Bereich übernommen, daher war für uns und die vielen Ehrenamtlichen von den Feuerwehren und THW immer etwas zu tun", sagt Hans-Joachim Zeh heute. "Jeder einzelne hat gemerkt, dass er gebraucht wird."

War ein Deichabschnitt gesichert, fuhr sein Trupp gleich weiter zum nächsten und half dort nach Kräften. Manchmal wechselte der Einsatzort täglich, Boizenburg, Rüterberg, Dömitz und Neu Kaliß kann Zeh noch benennen. "Es war auch tierisch warm, die Sonne brannte unerbittlich. Erfreulicherweise kamen jeden Tag Anwohner zu uns, haben Kaffee, Kuchen oder kalte Getränke gebracht. Auch die ansässigen Unternehmer waren sehr engagiert, spendeten belegte Brote oder Bratwürste."

Von dieser Erfahrung der direkten Hilfe zehre die Bundeswehr und vor allem der Standort Hagenow bis heute, ist Zeh sicher: "Aus dieser Zeit existieren noch viele Patenschaften betroffener Orte mit uns. Vor allem für unsere Grundwehrdienstleistenden war das was ganz Großes. Die Not der Anwohner geht einem natürlich nahe. Die waren meistens total fertig, aber haben uns sehr herzlich bei sich aufgenommen."

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