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Krankhaftes Übergewicht : Jeder Fünfte in MV ist zu dick

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MV hat ein gewichtiges Problem: Mehr als 20 Prozent der Menschen sind krankhaft übergewichtig - adipös, wie Mediziner sagen. Dennoch werde in Deutschland so gut wie nichts unternommen, um Betroffene angemessen zu behandeln.

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erstellt am 04.Nov.2011 | 08:28 Uhr

Neubrandenburg | MV hat ein gewichtiges Problem: Mehr als 20 Prozent der Menschen sind krankhaft übergewichtig - adipös, wie Mediziner sagen. "Damit sind wir führend in Deutschland und als Region mit führend in Europa", so Dr. Volker Bohlscheid, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin 3 des Dietrich-Bonhoeffer-Klinikums Neubrandenburg. Aus seiner Sicht besonders bedenklich ist, dass zunehmend bereits Kinder und Jugendliche zu viel auf die Waage bringen: Zwölf Prozent sind übergewichtig, 5,5 Prozent aller Kinder und Jugendlichen sogar krankhaft.

Krankhaftes Übergewicht verursache schon heute immense Folgekosten, so Bohlscheid. Und sie werden noch weiter steigen, wenn zum Beispiel weitere Übergewichtige dazukommen und einen Diabetes Mellitus entwickelten. Dennoch werde in Deutschland so gut wie nichts unternommen, um Betroffene angemessen zu behandeln, kritisiert Bohlscheid. In MV würde immerhin seit einem Jahr an einem Konzept gearbeitet, das Versorgungsformen für adipöse Menschen in den Mittelpunkt stellt. Der in diesem Jahr gegründete Landesverband der Adipositas-Selbsthilfegruppen sei dabei ebenso eingebunden wie die Krankenkassen, die Krankenhausgesellschaft, das Sozialministerium und die Ärztekammer.

Einigkeit herrsche darüber, dass vor einer Operation alle konservativen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft werden müssten. "Ernährungsumstellung, eine Bewegungstherapie über mindestens sechs bis zwölf Monate und Verhaltensänderungen", zählt der Spezialist auf. Nur schwerst Adipöse - Menschen mit einem Bodymaßindex über 60 - müssten sofort operiert werden. "Das jüngst vorgestellte Konzept für die konservative Adipositas-Therapie hat bundesweit Aufsehen erregt", freut sich Bohlscheid, der einer seiner Väter ist. "Denn so etwas hat noch kein anderes Bundesland auf die Beine gestellt."Wichtig ist aus Sicht des Mediziners, dass sich ausgewiesene Adipositas-Zentren um die krankhaft Übergewichtigten kümmern. Momentan gäbe es diese spezialisierten Zentren neben Neubrandenburg auch in Greifswald, in der Rostocker Südstadt und am Rostocker Uniklinikum. Auffällig sei, dass es in Westmecklenburg keine ausreichenden Versorgungsstrukturen gebe.

Gerade hierüber herrsche noch Uneinigkeit mit einigen Kostenträgern. Insbesondere die AOK hielte ein Adipositaszentrum, in dem operiert wird, mit Sitz in Rostock für das ganze Bundesland für ausreichend, so der Arzt. "Das ist aus Sicht der Betroffenen nicht akzeptabel."

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