Lehrlinge in MV : Jeder fünfte Azubi bricht die Lehre ab

dpa_1495080074963808
Foto:

Linke spricht von alarmierenden Zahlen und fordert bessere Berufsorientierung

svz.de von
25. September 2017, 08:00 Uhr

Ein Fünftel aller Ausbildungsverträge in Mecklenburg-Vorpommern wird noch vor dem Ende des ersten Lehrjahres aufgelöst. Da auch in den beiden Folgejahren noch einmal fast eben so viele Jugendliche die Lehre abbrechen, kommen vier von zehn Auszubildenden im Land nicht planmäßig zu ihrem Berufsziel. Das geht aus der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion hervor.

Demnach wurden im Jahr 2016 von rund 7700 neu abgeschlossenen Lehrverträgen 3000 vorzeitig aufgelöst, fast 1600 davon im ersten Lehrjahr, mehr als 900 noch in der Probezeit. Kaum ein anderes Bundesland verzeichne solche Abbrecher-Quoten, sagte Fraktionschefin Simone Oldenburg. Sie nannte die Zahlen alarmierend. Allgemeine Ursachen wie Firmeninsolvenzen oder Unternehmens- und Wohnortwechsel der Jugendlichen könnten dieses Verhalten nicht erklären. „Offenbar wird ein Großteil der Ausbildungsverträge frühzeitig gelöst, weil die Ausbildung die Erwartungen der jungen Menschen nicht erfüllt“, konstatierte Oldenburg. Als Konsequenz forderte sie eine bessere berufliche Frühorientierung in der Schule.

„Schülerinnen und Schüler, die noch keine Vorstellung von ihrer beruflichen Zukunft haben, müssen Gelegenheiten bekommen, verschiedene Berufe kennenzulernen. Nur so können sie feststellen, was ihren Wünschen, Neigungen und Fähigkeiten entspricht“, sagte Oldenburg zur Begründung.

Neben der Stärkung der beruflichen Frühorientierung fordert Oldenburg auch gezielte staatliche Hilfen. Jeder Jugendliche müsse finanziell in die Lage versetzt werden, seinen Wunschberuf erlernen zu können. So sollten Auszubildenden, die außerhalb ihres Wohnortes zur Lehre gehen, notwendige Fahrt- und Unterkunftskosten erstattet werden.

Hohe Abbrecherzahlen gab es im Vorjahr insbesondere im Handel sowie in Gastronomie und Hotellerie.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen