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Beschäftigung : Jeder Dritte muss sonntags arbeiten

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Immer mehr Beschäftigte in MV schuften, wenn andere frei haben

von
erstellt am 16.Jun.2014 | 08:00 Uhr

Wochenende frei? Das gilt für immer weniger Beschäftigte. Nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums gehen etwa 11,5 Millionen von 40 Millionen erwerbstätigen Bundesbürgern an Sonn- und Feiertagen arbeiten – rund 3,8 Millionen mehr als im Jahr 1995.

Im Urlaubsland Mecklenburg-Vorpommern liegt der Anteil der Sonntagsarbeiter unter den 764 000 Beschäftigten mit 33 Prozent sogar deutlich über den Bundesdurchschnitt von 28,6 Prozent. Die Gründe dafür sieht das Rostocker Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) in der wirtschaftlichen Struktur des Landes. Vor allem Gastronomie und Hotellerie, Gesundheitswirtschaft und immer häufiger auch der Einzelhandel kennen keine freien Tage mehr.

Grundsätzlich sind Sonn- und Feiertage in Artikel 140 des Grundgesetzes geschützt. In Mecklenburg-Vorpommern darf an diesen Tagen generell nur in 13 Branchen gearbeitet werden, etwa in Krankenhäusern, beim Nahverkehr oder bei der Polizei.

Doch auch Industrie und Handel weiten die Sonntagsarbeit kontinuierlich aus. Das Lagus weist in seinem aktuellen Jahresbericht darauf hin, dass die Zahl der Anträge von Unternehmen auf kurzfristige Bewilligungen der Sonntagsarbeit von 441 im Jahre 2010 auf 516 im Jahr 2011 gestiegen ist. 2012 waren es 557 Anträge. Die Ausnahmemöglichkeit ist auf höchstens fünf Sonn- und Feiertage im Jahr beschränkt. Hinzu kamen im vergangenen Jahr außerdem 23 langfristige Bewilligungen. Begründet wird die Notwendigkeit der Sonntagsarbeit überwiegend mit der Konkurrenzfähigkeit auf dem europäischen Markt.

Die Kirche sieht die Entwicklung mit Sorge. „Der Sonntag unterbricht den Alltag und gibt Raum für die eigene Besinnung, für die Familie, für Freunde“, sagte Christian Meyer, Pressesprecher des Kirchenkreises Mecklenburg. Kritik kommt auch von der Linksfraktion im Schweriner Landtag. „Sonn- und Feiertagen kommt als Tagen der Arbeitsruhe in mehrfacher Hinsicht eine hohe Bedeutung zu“, so deren arbeitsmarktpolitischer Sprecher Henning Foerster.

 

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