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Motive: Eifersucht, Habgier, Trennungsangst und Rache : Jeder dritte Mord passiert in der Ehe

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Der Mann, der seine Ehefrau erstochen haben soll, sitzt über Stunden nahezu reglos auf der Anklagebank im Schweriner Landgericht. Dem 27-Jährigen wird vorgeworfen, seine Frau im Juni 2011 in Hagenow getötet zu haben.

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erstellt am 09.Jul.2013 | 07:44 Uhr

Schwerin | Der Mann, der seine Ehefrau erstochen haben soll, sitzt über Stunden nahezu reglos auf der Anklagebank im Schweriner Landgericht. Blass und mit gesenktem Kopf hört er der Verhandlung zu. Die Anklage wirft dem 27-Jährigen vor, seine Frau im Juni 2011 im Büro der Konsumgenossenschaft Hagenow mit 15 Messerstichen getötet zu haben. Drei der Stiche trafen direkt das Herz der jungen Mutter. Laut Gutachten soll er von "panischen Trennungsängsten" getrieben worden sein. Sechs Monate nach der Tat wird der Spätaussiedler zu acht Jahren und vier Monaten Gefängnis verurteilt.

Bis dass der Tod euch scheidet? Zehn Morde wurden im vergangenen Jahr in Mecklenburg-Vorpommern verübt, in drei Fällen war der Ehepartner der Täter. Im Jahr zuvor registrierte die Polizei zwölf Morde und ermittelte in fünf Fällen aktuelle oder ehemalige Ehepartner als Mörder.

" Mord in der Ehe zieht sich durch alle sozialen Schichten", sagt Synke Kern, Sprecherin des Landeskriminalamtes. Häufigste Motive: Eifersucht, Habgier, verletzte Eitelkeit, Rache. Probleme haben sich oft jahrelang aufgestaut und eskalieren in zügelloser Gewalt. Mord ist dabei nur die Spitze des Eisbergs.

Das Problem hat inzwischen die Landespolitik erreicht. Im Schweriner Landtag will Peter Ritter, innenpolitischer Sprecher der Linksfraktion, in einer Kleinen Anfrage von der Landesregierung wissen, wie oft auch bei anderen Verbrechen wie Totschlag oder Körperverletzung Ehepartner zu Tätern wurden. Aus der Antwort des Innenministeriums geht hervor, dass 2012 fünf Verheiratete, ein Geschiedener und ein Lebensgefährte den Partner im Streit erschlugen. 31 Totschlagsdelikte gab es im vergangenen Jahr insgesamt in Mecklenburg-Vorpommern.

Zudem beschuldigte die Polizei im vergangenen Jahr 47 Täter, ihre Ehepartner und Lebensgefährten vergewaltigt zu haben. Bei insgesamt 63 Vergewaltigungen im Land sind das mehr als die Hälfte der Tatverdächtigen. Außerdem registrierte die Polizei 1315 Körperverletzungen und 436 Bedrohungen zwischen Eheleuten oder solchen, die es einmal waren, heißt es in der Antwort des Innenministeriums.

"Oft leiden Opfer in der Partnerschaft über Jahre", sagt LKA-Sprecherin Kern. Frühzeitiges Intervenieren sei wichtig, weil mit der Zeit die Hemmschwellen sinken und die Intensität der Gewalt steigt. Laut Statistik erdulden Frauen im Durchschnitt sieben Jahre lang die Gewalt von Männern, bevor sie ausbrechen. "Jeder Fall von häuslicher Gewalt wird in Mecklenburg-Vorpommern zur Anzeige gebracht", so Synke Kern. Wenn sich das Opfer dazu nicht durchringen kann, zeigt die Polizei von amtswegen die Tat an.

Die Ordnungshüter wurden nach Angaben des Innenministeriums 2011 zu 1412 Einsätzen wegen häuslicher Gewalt gerufen. "Wichtig ist aber die Zeit nach dem Eingreifen der Polizei", erklärt Kern. Letzte Instanz bei den vielschichtigen Hilfsangeboten für die Opfer sind die neun Frauenhäuser im Land, die 360 Frauen jährlich aufnehmen und etwa zwei bis drei Monate betreuen.

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