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Studie : Jeder Dritte mit Teilzeit- und Minijob

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Atypische Beschäftigung legt leicht zu. DGB sieht diesen hohen Anteil kritisch

svz.de von
erstellt am 27.Apr.2016 | 07:45 Uhr

Sie arbeiten stundenweise, müssen oft mit wenig Lohn auskommen und sind häufig auf mehrere Jobs angewiesen: Mehr als jeder Dritte aller abhängig Beschäftigten in MV arbeitet Teilzeit, mit Leiharbeitsverträgen oder hat einen Minijob – der höchste Wert seit neun Jahren, geht aus einer gestern von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung vorgelegten neuen Länderstudie hervor. Damit ist der Anteil im Nordosten wie bundesweit im Vergleich zum Vorjahr noch einmal leicht gestiegen. „Insbesondere die Zahl der Teilzeit- und Leiharbeiter hat zugenommen“, sagte WSI-Arbeitsmarktexperte Toralf Pusch gestern.

Besonders betroffen in MV sind Frauen, vor allem im Landkreis Rostock: 71,6 Prozent der Frauen haben in der Region kein normales Arbeitsverhältnis, so die Studie – der höchste Wert in MV. Bei den Männern sind es im Landesschnitt 30,4 Prozent, in der Hansestadt Rostock sogar 34,8 Prozent. Allerdings: In den alten Bundesländern liegt die Teilzeit-, Minijob- und Leiharbeitsquote höher – in Schleswig-Holstein bei 42,7 Prozent, gefolgt von Rheinland-Pfalz mit 41,8 und Niedersachsen mit 41,6 Prozent. Die niedrigeren Anteil im Osten führte Pusch auf andere Erwerbsmuster vor allem bei Frauen zurück.

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Den hohen Anteil an Teilzeit und Co. wertet der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) als Alarmzeichen. „Gute Arbeit ist unbefristet und ordentlich entlohnt“, erklärte DGB-Nord-Landeschef Uwe Polkaehn. Die Arbeitgeber müssten der Verpflichtung nachkommen, die der Sozialstaat und die soziale Marktwirtschaft ihnen auferlegt. „Wenn immer mehr Beschäftigte mit Sorge in die Zukunft blicken, dann gerät auch die Demokratie allmählich in Gefahr.“

Die Wirtschaft verteidigte demgegenüber die Entwicklung. „Insbesondere die Zeitarbeit hat vielen Arbeitslosen den Weg zurück in den Arbeitsmarkt geebnet“, meinte Martin Sauer, Arbeitsmarktexperte der Vereinigung der Unternehmensverbände MV. Dennoch würden flexible Beschäftigungsverhältnisse oft diffamiert. Vielmehr sei es so, dass flexible Beschäftigungsformen oft erst die Schaffung neuer Arbeitsplätze ermöglichten. Im ersten Halbjahr 2015 waren knapp drei Viertel der in der Zeitarbeitsbranche neu eingestellten Mitarbeiter vorher ohne Beschäftigung.

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