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Logopädie in MV : Jeder dritte Junge hat Sprachprobleme

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Expertin warnt: Sprachstörungen können schulische Leistungen beeinflussen

svz.de von
erstellt am 22.Jan.2015 | 08:00 Uhr

Lispeln, Stottern, oder Schwierigkeiten beim Wörterfinden: Mit diesen Problemen haben vor allem viele Vorschul- und Grundschulkinder in Mecklenburg-Vorpommern zu kämpfen. So hatte im Jahr 2013 hierzulande fast jeder dritte Junge im Alter von sechs Jahren Probleme mit dem Sprechen. Bei den Mädchen war fast jede Fünfte betroffen. Das teilte die AOK Nordost auf Anfrage unserer Redaktion mit.

Bundesweit erhielt 2013 hingegen nur jeder vierte gesetzlich krankenversicherte Junge im Alter von sechs Jahren eine Sprachtherapie, bei den Mädchen jede Sechste. Seit 2007 ist der Anteil sowohl bei den Jungen als auch bei den Mädchen, die eine Sprachtherapie erhalten haben, kontinuierlich gestiegen. Für die sechsjährigen Jungen lag er anfangs bei rund 21 Prozent, bei den Mädchen bei knapp 15 Prozent. So die Ergebnisse aus den Heilmittelberichten der Jahre 2013 und 2014 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Dabei nahmen im Jahr 2013 knapp die Hälfte der bundesweit 2,2 Millionen Sprachtherapien Kinder im Alter von fünf bis neun Jahren in Anspruch.

Auch die Techniker Krankenkasse (TK) in MV verzeichnet einen Anstieg bei den verordneten Sprachtherapien. So wurden im Zeitraum von Januar bis Juni 2014 bereits 5696 Rezepte von Kinderärzten ausgestellt – 13 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor. „Über die Gründe kann nur spekuliert werden“, sagt die Pressereferentin der TK in MV, Heike Schmedemann. Ihrer Meinung nach könne der zunehmende Medienkonsum der Kinder, die allein vor den Bildschirmen sitzen, negativen Einfluss auf das Sprechen haben.

Diese Sprachprobleme können sich dann auf weitere Lebensbereiche auswirken: „Sprache verstehen und korrekt verwenden zu können, ist wichtig, um die schulischen Anforderungen bewältigen zu können“, sagt die Expertin für kindliche Sprachentwicklung vom Deutschen Bundesverband für Logopädie, Sonja Utikal. So können Probleme beim Sprechen auch Auswirkungen auf das Schreiben haben und so die schulische Entwicklung des Kindes negativ beeinflussen. Bei Auffälligkeiten sollten sich Eltern zuerst an den Kinderarzt wenden, rät Utikal. Dieser könne im Verdachtsfall das Kind dann zum Logopäden verweisen.

„Um die sprachliche Kompetenz zu fördern, raten wir Rituale einzuführen wie gemeinsames Essen, sich Zeit zunehmen und sich miteinander zu beschäftigen“, sagt Markus Juhls, Pressereferent der AOK Nordost.

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