Jeder Dritte im Nordosten fühlt sich gestresst

Wenn alles zu viel wird: Ständiger Druck am Arbeitsplatz kann zu gesundheitlichen Problemen führen. dpa
Wenn alles zu viel wird: Ständiger Druck am Arbeitsplatz kann zu gesundheitlichen Problemen führen. dpa

svz.de von
29. Januar 2013, 05:59 Uhr

Zwei Studien, eine Tendenz: Die Menschen in MV fühlen sich im bundesweiten Vergleich am meisten erschöpft oder ausgebrannt. Aus einer Forsa-Umfrage geht hervor, dass sich 34 Prozent der Befragten gestresst fühlen, während es bundesweit 25 Prozent sind, teilte die Techniker Krankenkasse gestern mit. Hoher Druck auch am Arbeitsplatz: Fast jeder Fünfte fühlt sich überfordert - und 43 Prozent der Berufstätigen in Deutschland klagen über wachsenden Stress. Das geht aus dem "Stressreport Deutschland 2012" hervor.

Beispiel Callcenter: Der Druck in der Branche wächst seit Jahren, vor allem in den Unternehmen mit aktivem Telefonverkauf, kritisiert die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Zeitdruck, umsatzabhängige Vergütung und das bei durchschnittlichen Stundenlöhnen von deutlich unter sieben Euro: Der Bereich habe in den vergangenen Jahren nichts dazugelernt, meint Verdi-Fachbereichsleiter Dieter Altmann. Der Stress führe zu hohen Krankheitsquoten. Gerade am Monatsende häuften sich die Krankmeldungen. "Dann reiche der Monatslohn häufig nicht mehr, um den Tank zu füllen und zur Arbeit fahren zu können." 115 Service-Center mit 16 000 Mitarbeitern zählt die Branche in MV.

Beispiel Ausbildung: Immer wieder wenden sich Auszubildende an die IHK-Schlichtungsstellen, um vermeintliche oder tatsächliche Misstände zu beklagen - dabei geht es auch um viele Überstunden, besonders im Gastronomiebereich. Immer wieder schildern Insider, dass Lehrlinge bis in den späten Abend in den Ausbildungsbetrieben mit anpacken müssen und ihnen am nächsten Morgen in der Berufsschule die Augen zufallen.

Beispiel Polizei: Polizeibeamte sind nicht nur rund um die Uhr im Einsatz, sie sind auch permanent mit den negativen Erscheinungen der Gesellschaft konfrontiert. "Die Auswirkungen von Stress erkennt man an dem Krankenstand bei der Polizei, der von Jahr zu Jahr zunimmt", sagte gestern der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Michael Silkeit. Insbesondere psychische Kankheiten wie das Burn-out-Syndrom würden sich häufen.

Beispiel Lehrer: Acht von zehn Lehrern in MV fühlen sich stark belastet, so eine Umfrage. Arbeitszeiten von 45 Stunden in der Woche mit Vor- und Nachbereitung sind die Regel. Mehr als die Hälfte der Lehrer in Teilzeit wollen nicht auf volle Stundenzahl zurück. Die Aufgaben nehmen überhand und die Lehrer werden immer älter. Schon jetzt hat sich die Zahl der Langzeiterkrankten verdoppelt. Das Bildungsministerium will ein Programm zur Lehrergesundheit initiieren. Schulleiterin und Links-Politikerin Simone Oldenburg warnt: "Das Programm darf nicht zu zusätzlichen Belastungen führen."

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