ACE: Schulen spekulieren auf hohe Durchfallquote : Jeder dritte Fahrschüler rasselt durch Prüfung

Schlechte Noten für Fahrschüler in MV: Mehr als jeder Dritte fällt in der Prüfung durch - 35,7 Prozent, eine der höchsten Durchfallquoten bundesweit, ergab eine Studie. Experten sollen nun die Fahrausbildung verbessern.

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22. Januar 2013, 08:10 Uhr

Schwerin | Schlechte Noten für Fahrschüler in MV: Mehr als jeder Dritte fällt in der Prüfung durch - 35,7 Prozent, eine der höchsten Durchfallquoten bundesweit, ergab eine Studie, die der Autoclub Europa ACE im Vorfeld des heute beginnenden Verkehrsgerichtstages in Goslar vorstellte. Der Expertengipfel will Strategien zur Verbesserung der Fahrausbildung entwickeln. Nur in Hamburg, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt fallen die Prüfungsergebnisse noch schlechter aus. Besonders die Theorie macht den Fahranfängern zu schaffen. Fast 40 Prozent rasseln in MV durch die Prüfung.

Mit möglicherweise fatalen Folgen: Fahranfänger sind ohnehin einem hohen Risiko auf der Straße ausgesetzt. Sie seien trotz des Erfolgsmodells "Begleitetes Fahren ab 17" die am stärksten unfallgefährdete Gruppe von Verkehrsteilnehmern, stellt die Deutsche Akademie für Verkehrswissenschaften fest. Sie überschätzten ihr Können, sagte ADAC-Verkehrspsychologe Ulrich Chiellino. Das "trügerische Sicherheitsgefühl" sei die Ursache dafür, dass sie in den ersten Monaten nach der Fahrprüfung überdurchschnittlich viele schwere Unfälle bauten, meinte er und forderte eine gesetzlich vorgeschriebene Ausweitung der Lernphase. Auf dem Verkehrsgerichtstag will der ADAC ein mehrstufiges Modell der Fahrausbildung einfordern - wie in Österreich, wo Fahranfänger auch nach Erhalt der Fahrerlaubnis unter Aufsicht ihr fahrerisches Können vorführen und an Fahrsicherheitstrainings teilnehmen müssen. Eine derartige zweiphasige, verpflichtende Ausbildung könnte dazu beitragen, die Unfallzahlen zu senken, erklärte Helmut Bode, Landeschef des Fahrlehrerverbandes MV, gestern in Rostock. Bode forderte zudem die Ausgangsvorausetzungen für Fahrlehrer zu verschärfen und eine zweijährige Art Berufsausbildung vorzuschreiben.

Der Autoclub ACE sieht weniger die Fahrschüler als vielmehr die Fahrschulen in der Pflicht. Statt Mehrphasenmodelle aufzulegen, die den Führerschein noch einmal spürbar verteuern könnten, sollten die "pädagogischen Misserfolge" im herrschenden System beseitigt werden, forderte der Verkehrsclub und sieht einen Zusammenhang zwischen der hohen Durchfallquote und der schlechten Wirtschaftslage vieler Fahrschulen. "Sie spekulieren auf eine hohe Durchfallquote, um anschließend zusätzliche Fahrstunden abrechnen zu können", erklärte ACE-Sprecher Rainer Hillgärtner. Schon heute könne die Fahrausbildung alles in allem 1800 Euro kosten. Doch müsse die Fahrausbildung auch künftig erschwinglich bleiben, forderte der ACE. Die hohe Durchfallquote sei nicht Schuld der Fahrschulen, wies Bode die Kritik zurück. Vielmehr gingen die Fahrschüler häufig zu lax an die theoretische Ausbildung und drängten aufgrund ihrer eigenen oft angespannten finanziellen Lage auf vorzeitige Fahrprüfungen.

Hätten Sie es gewusst?

1. Was verlängert den Bremsweg?
a) Mitführen eines ungebremsten Anhängers.
b) Nasse oder glatte Fahrbahnen
c) Fahren auf Gefällstrecken

2. Radfahrer und Fußgänger sind auf der Fahrbahn. Was ist beim Überholen zu beachten?
a) mit einem Seitenabstand von weniger als einem Meter überholen, wenn Sie rechtzeitig hupen
b) nicht überholen, wenn Sie einen ausreichenden Seitenabstand wegen Gegenverkehr nicht einhalten können
c) nur mit ausreichendem Seitenabstand (mindestens 1,5 Meter) überholen.

3. Im Gegenverkehr auf derselben Fahrbahn hält ein Linienbus mit eingeschalteter Warnblinkanlage an einer Haltestelle. Wie verhalten Sie sich?
a) Auf Schrittgeschwindigkeit abbremsen.
b) Geschwindigkeit beibehalten, da der Bus auf der anderen Fahrbahnseite hält.
c) Nur dann mit Schrittgeschwindigkeit weiterfahren, wenn Fahrgäste die Fahrbahn überqueren wollen.

4. Bei stockendem Verkehr müssen bestimmte Bereiche freigehalten werden. Welche sind dies?
a) Bahnübergänge
b) Grundstückseinfahrten
c) Kreuzungen

   

Lösungen: 1 a,b,c; 2 b,c; 3 a; 4 a,c

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